Langsam schleicht die zweibeinige Echse mit ihrer sichelartigen Klaue durch die Großküche. In den Metallschränken zwischen Töpfen und Pfannen haben sich zwei Kinder vor dem Raubsaurier versteckt. Der Velociraptor erkundet die ungewohnte Umgebung und schleicht näher an die verängstigten Geschwister heran. Die Echse scheint ihre Witterung aufgenommen zu haben.

Diese Szene stammt aus dem Spielfilm Jurassic Park von 1993 und ist eine der bekanntesten Sequenzen des Streifens. Am Ende gelingt es den Kindern ihrem eigentlich ausgestorbenen Verfolger zu entkommen.Die Überreste eines nahen Verwandten des Velociraptoren haben argentinische Paläontologen jetzt in Bajo de Santa Rosa, in der Provinz Rio Negro gefunden.

Allerdings unterscheidet sich der Saurier, den die Forscher auf den Namen Austroraptor cabazai tauften, deutlich von seinen Artgenossen aus der Familie der Dromaeosauriden. Der neu entdeckte Raptor ist der bislang größte seiner Art. Er wurde gut fünf Meter lang und brachte etwa 370 Kilogramm auf die Waage. Vor 100 bis 70 Millionen Jahren zu Ende der Kreidezeit jagte und lebte der Raubsaurier in Patagonien, ehe er ausstarb.

Velociraptoren waren schnelle Räuber, die ihre Beute vermutlich mit ihrer Sichel-Klaue traktierten. Einen nahen Verwandten der Saurier haben Forscher in Argentinien entdeckt © Patrick Lin/​AFP/​Getty Images

Die entdeckten Fossilien seien sehr selten und helfen womöglich, die Evolution der Saurier besser zu verstehen. "Dromaeosauriden und damit Raptoren sind die direkten Vorfahren unserer heutigen Vögel", sagt Oliver Rauhut von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie. Forscher gehen davon aus, dass diese Saurierart schon erste Federn am Körper hatte. "Versteinerte Überreste aus China von Raptoren aus der späten Kreidezeit haben das gezeigt."