Mit der Zahl der Todesopfer gehört die Cholera-Epidemie in Simbabwe den UN-Zahlen zufolge zu den schwersten der vergangenen Jahre in Afrika. Nur in Angola starben nach einem Ausbruch der Seuche im Juni 2006 noch mehr Menschen an der schweren Durchfallerkrankung, die vor allem durch verunreinigtes Wasser übertragen wird.

Simbabwes Präsident Robert Mugabe hatte die Cholera vor einer Woche für gestoppt erklärt. Damals waren der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge knapp 800 Menschen an der Cholera gestorben und rund 16.400 daran erkrankt. Die jüngste Zuspitzung der Lage erhöht nun weiter den Druck auf den seit 28 Jahren herrschenden Mugabe. Er wird für den dramatischen wirtschaftlichen Niedergang Simbabwes verantwortlich gemacht.

Die USA, Frankreich und Großbritannien hatten wegen der Epidemie dazu aufgerufen, Mugabe zum Rücktritt zu drängen. Kenias Regierungschef Raila Odinga sowie der südafrikanische Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu haben gefordert, notfalls auch gewaltsam gegen den 83-jährigen vorzugehen. Dieser Forderung erteilte der Chef des in Südafrika regierenden ANC, Jacob Zuma, jedoch am Donnerstag eine Absage. "Warum eine Militärintervention, wenn es keinen Krieg gibt?", fragte Zuma im südafrikanischen Rundfunk. Zuma plädierte für diplomatische Bemühungen, um den politischen Konflikt im Nachbarland zu lösen.

Südafrika hatte das Grenzland zu Simbabwe vor einer Woche zum Katastrophengebiet erklärt. Viele Simbabwer suchen in Südafrika Hilfe, weil das Gesundheitssystem in ihrem Land fast völlig zusammengebrochen ist. Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit können bei der Cholera mitunter nur zwei Stunden vergehen. Wegen dieser extrem kurzen Inkubationszeit breitet sich die Seuche rasant aus. Lebensgefahr besteht durch den schnellen Wasserverlust des Körpers. Bei umgehender Behandlung mit Flüssigkeit und Salzen ist die Cholera in weniger als einem Prozent der Fälle tödlich.