Der Hamburger SV hat seine Pflicht erfüllt, jetzt folgt das Schaulaufen. Gegen Aston Villa geht es nur noch um den Sieg in Gruppe F. HSV und Villa sowie das drittplatzierte Team von Ajax Amsterdam sind mit sechs Zählern punktgleich und haben den Sprung in die K.-o.-Runde bereits geschafft. "Wir wollen einen wunderbaren Schlusspunkt unter das Jahr 2008 setzen", sagte HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer und verspricht: "Wir haben die Verpflichtung, im letzten Spiel alles zu mobilisieren."

Erster zu werden hat den mutmaßlichen Vorteil, auf einen Gruppendritten in der nächsten Runde zu treffen, während sich der Zweitplatzierte mit einem Champions-League-Absteiger messen muss. Gut möglich jedoch, dass den Hamburgern weniger als befürchtet abverlangt wird. Die Engländer haben ihre Nationalspieler Gariel Abgonlahor, Ashley Young, James Milner und Gareth Barry zu Hause gelassen. Trainer Martin O’Neill will sie schonen, schließlich ist englischen Klubs eine Winterpause wie der deutschen Konkurrenz nicht vergönnt.

Ein anderer Kampf, den der HSV in den nächsten Wochen zu führen hat, wird ohnehin härter als die heutigen neunzig Minuten. Am 25. Januar 2009 könnte der Aufsichtsrat neu besetzt werden. Die "Supporters", eine große und einflussreiche Fan-Gruppe, wollen die Mehrheit anstreben. Die Macht und vielleicht sogar das Amt des Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann stehen infrage.

Viele Fans erkennen zwar im Allgemeinen Hoffmanns sportliche und wirtschaftliche Bilanz an, doch kritisieren sie, dass er den Verein in Alleinregie führe. Unzufrieden ist die Basis auch mit dem Aufsichtsrat, der seiner ureigenen Funktion, nämlich den Vorstand zu kontrollieren, nicht nachkomme. Ob die "Supporters" tatsächlich Hoffmann stürzen wollen, wie die Hamburger Medien warnen, ist hingegen zweifelhaft.

Heute konzentrieren sich die HSV-Fans vor allem auf Ivica Olic, der in der Winterpause wahrscheinlich seinen Wechsel nach München bekannt geben wird. HSV-Trainer Martin Jol sieht kaum Möglichkeiten, den umworbenen Stürmer zu halten: "Ich kann nur mit ihm sprechen. Die Entscheidung muss er aber selbst treffen." Unterdessen hat Bayern-Präsident Franz Beckenbauer behauptet, in den Verhandlungen schon sehr weit zu sein. Olic habe sich jedoch "noch Bedenkzeit erbeten". Skeptiker gehen davon aus, dass Olic das Podolski-Schicksal bevorstünde: das Bankdasein.