VON MARTIN BRINKMANN

Nachdem sein bester Kumpel sich umgebracht hat, flieht Blackie aus der Besserungsanstalt. Die Welt, in die er zurückkehrt – es ist das Atlanta der frühen 1930er Jahre – hat sich nicht verändert. Aber der 15-Jährige sieht die Dinge jetzt anders. Die Probleme in der Familie erscheinen ihm nichtig. Seine alten Freunde machen einen albernen Eindruck auf ihn. Von Rastlosigkeit und Abenteuerdurst getrieben, stromert Blackie durch einige elend warme Hundstage. Er lernt die Liebe der Frauen zu verachten, sich bei ehrlicher Arbeit zu langweilen und sich männlich-heroisch zu gebärden. Nur zur Selbsterkenntnis reicht es nicht. Nach knapp 60 Jahren liegt das Debüt des 1920 in Georgia geborenen, in New York lebenden Autors Donald Windham erstmals auf Deutsch vor. Sprachlich von zeitloser Güte, verströmt der 1950 erschienene Roman Dog Star eine existenzialistische Kälte, die eines modernen Klassikers würdig ist.

Donald Windham: Dog Star. Lilienfeld Verlag 2008, 222 Seiten, 19,90

VON FOKKE JOEL

Ein Buch über eine Kindheit im Rumänien der achtziger Jahre. Erzählt aus der Perspektive des zwölfjährigen Dszátá, der allein mit seiner Mutter in einer Provinzstadt lebt, weil der Vater eines Tages von der Securitate abgeholt wurde. Ein Roman, der die Brutalität von Ceauşescus Sozialismus anhand des alltäglichen Lebens und Überlebens erzählt. Nüchtern und unsentimental, aber gerade deshalb anrührend und spannend geschrieben von dem jungen, heute in Budapest lebenden Autor György Dragomán, der selbst in Rumänien als Teil der ungarischen Minderheit aufgewachsen ist.

György Dragomán: Der weiße König. Suhrkamp 2008, 293 Seiten, 19,80