VON WIEBKE POROMBKA

Wer ein Faible für schräge Typen hat, für den ist dieses Buch genau das Richtige. Mehr als 200 Freaks, Querdenker, Heilige, Scharlatane, Blödelbarden oder einfach nur Bekloppte hat Ulrich Holbein in seinem Narratorium zusammengetragen – sich selbst eingeschlossen. Gut 1000 Seiten dick ist dieses bebilderte Kuriositätenkabinett, in dem der Perserkönig Xerxes oder Josephine Baker genauso Platz haben wie Dieter Bohlen, Till Eulenspiegel oder Franz Kafka. So willkürlich die Zusammenstellung dieser Enzyklopädie, so überbordend und ironisch ist der Stil, mit dem Holbein seine Narren porträtiert. Dem muss man nicht immer zustimmen - wunderbar durchgeknallt ist es allemal.

Ulrich Holbein: Narratorium. 225 Lebensbilder. Ammann Verlag 2008, 1008 Seiten, 39,90 €

VON DAVID HUGENDICK

Diese zwei müssen es sein. Frank Witzels Vondenloh und Eliot Weinbergers Das Wesentliche. Witzel: schwungvoll, ein bisschen verrückt, ein herrlich komischer Betriebsnudelroman zum Ausklang des Jahres. Und Satzungetüme kann Witzel wie der Tellkamp. Dann Weinberger. Seine 34 Essays wühlen sich durch 4000 Jahre Menschheitsgeschichte. Wie hinreißend klar ist seine Sprache! Wie belesen der Autor! Kein wissenschaftlicher Schwurbel, kein Fußnotensalat, sondern literarische Miniaturen zu chinesischen Mythen, Mohammeds Liebeleien, Iglus und Nashörnern. Weinberger zeigt uns auf manchmal nur drei Seiten die Welt, wie wir sie noch nie gesehen haben.

Frank Witzel: Vondenloh. Textem Verlag 2008, 220 Seiten, 18 ; Eliot Weinberger: Das Wesentliche. Berenberg Verlag 2008, 213 Seiten, 24