Am 24. treffen wir uns also um 16 Uhr bei ihnen daheim, die anderen kommen auch, einen Tee trinken, Geschenke austauschen, Plätzchen auch wenn ihre Mutter nicht backen kann und es trotzdem tut, und dann um 18 Uhr geht’s zusammen in den Gottesdienst, den wir mit vorbereitet haben, zum Krippenspiel mit den Kindern, die wir darauf vorbereitet haben, machen dort andere Musik als sonst üblich, und auch das haben wir vorbereitet, um endlich ein bisschen den Muff aus dieser Gemeinde zu verscheuchen, um zu beweisen, dass wir das auch können, um zu zeigen, dass wir Verantwortung haben, und wir treffen uns mit roten Backen, mit kalten Händen, wir wickeln uns aus, die Temperaturen sind gefallen, vor zwei Tagen, einfach runter, plötzlich ist es Winter, hoffentlich schneit's!, sagt eine, noch immer rote Wangen, Apfelbäckchen, und zieht sich den Schal vom Hals, steckt ihn in einen Jackenärmel und hängt alles nach draußen in den Flur.

Wir haben Kerzen angezündet, der Tee steht auf dem Stövchen, im Radio läuft leise Weihnachtsmusik, auf einem Teller liegen Plätzchen, Nüsse, Mandarinen, sitzen wir um den Tisch herum, die nochkalten Hände um die großen Tassen, gemütlich, sagen wir immer wieder. Geschenke wandern über den Tisch vom einen zum anderen, Taler, Taler, du musst, ja, das hab ich selbst gemacht, weil du doch so gerne, und eine stuppst mich an und sagt: und? Wie feiert ihr?

Da zucke ich mit den Schultern.
Du hast eine Schwester, oder?
Ich nicke.
Älter oder jünger?
Älter.
Sie nickt.
Viel älter?
Ich nicke.

Und mir gegenüber schaltet sich ein und fragt, ob sie denn mit den Kindern kommt.

Und da nick ich weil ich doch nicht sagen kann, dass sie nicht kommt, und das, obwohl sie nur 7km weiter weg wohnt, und dann die Frage, warum sie nicht kommt, und dann sagen müssen, dass meine Mutter und sie einen Streit hatten, der klein anfing und größer wurde und dann kommen wir eben nicht und dann gut! es wird euch keiner vermissen! und dann Türenschlagen und dann meine Tür, die aufgeht, ihr Kopf, ihr fast ausdrucksloses Gesicht, dass sie dann sagt Deine Schwester hat beschlossen, Weihnachten nicht mit uns zu feiern, und: Toll! Weihnachten mit kleinen Kindern! Das ist so schön, für die ist das ja alles noch so aufregend, und mein Tee ist leer, kann ich noch ein bisschen? Ja. Und Erdnüsse, die ich in meiner Hand auseinanderbreche. Und habt ihr eine große Familie?

Da mache ich eine vage Bewegung, sagt einer, er hätte heute diesen Wagen bei uns gesehen, und wer war das denn.
Meine Tante.
Oh, die kommt zu Weihnachten auch zu euch? Dann ist die Hütte ja voll, was?

Und ich nicke und daheim sitzt meine Mutter mit meiner Tante, die vor ihrem Freund abgehauen ist, vor dem sie sich versteckt, und sie trinken Likör und kriegen auch ohne Kälte von draußen drinnen rote Wangen, und reden und reden und reden sich wund. Und dann sitz ich zwischen denen und lass sie reden und bin einfach ein bisschen still, weil ich eine von den Stillen bin, manchmal mach ich einen Witz, weil ich manchmal einen Witz machen kann, und dann lachen sie und ich kann wieder still sein, und die Erdnüsse in meiner Hand zerbrechen.