Weltweit haben die staatlichen Finanzpakete die Börsen angekurbelt. Der DAX setzt seinen Anstieg vom Vortag auch heute fort. Auch in New York und Tokio schossen die Kurse zum Wochenbeginn nach oben. Trotzdem hat Bundeskanzlerin Angela Merkel vor voreiligem Optimismus gewarnt. "Die Lage ist unverändert ernst", sagte sie am Dienstag auf einem Kongress des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau in Berlin. "Wir müssen das Vertrauen in die Finanzmärkte zurückgewinnen. Ohne Finanzsystem, das funktioniert, können Unternehmen in einer modernen Zeit nicht wirtschaften."

Dieser Analyse ließ die Kanzlerin eine Forderung nach international schärferen Regeln folgen. "Soziale Marktwirtschaft braucht einen Ordnungsrahmen", sagte Merkel. So müsse künftig die Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF) gestärkt und die Transparenz der Ratingagenturen verbessert werden. Notwendig seien zudem eine bessere Risikoklassifizierung von Finanzprodukten und eine größere Eigenkapitalausstattung der Banken.

Zur Abwendung internationaler Krisen hält Merkel auch eine stärkere Einbeziehung großer Schwellenländer wie China und Indien in das globale Finanzregelwerk für erforderlich. Sie kündigte baldige Gespräche mit beiden Ländern an. Zu den deutschen Konjunkturaussichten sagte die Kanzlerin, sie hoffe, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung "nicht zu sehr abschwächt". Sie erwarte keinen Abschwung.

Den erwarten jedoch Deutschlands führende Forschungsinstitute. Nach ihrer Einschätzung steht die deutsche Wirtschaft am Rande einer Rezession. Die Experten senkten am Dienstag ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr drastisch von 1,4 auf 0,2 Prozent. Dies geht aus dem am Dienstag in Berlin vorgestellten Herbstgutachten der Institute hervor. Falls die Finanzkrise voll auf die produzierende Wirtschaft durchschlagen sollte, halten die Institute einen noch stärkeren Rückgang für möglich.