Borussia Mönchengladbach entlässt Jos Luhukay nach sieben Spieltagen und sechs Niederlagen. Die Presse zeigt Verständnis für die Entscheidung, sich von dem Trainer zu trennen, mit dem der Verein vor fünf Monaten aufgestiegen ist; viel können die Sportjournalisten dem Scheidenden nicht abgewinnen.

Richard Leipold (Frankfurter Allgemeine Zeitung) erinnert Luhukays Art, die Mannschaft aufzustellen, an das Ausfüllen eines Lottozettels. Er schreibt weiter: "Luhukay hinterließ zuletzt nicht mehr den Eindruck, als hätte er noch irgendwelche Trümpfe in der Hinterhand. Er schwankte zwischen allerlei Spielsystemen, als hoffte er im Ausschlussverfahren das Richtige zu finden. Und so erinnerte er an einen Stürmer, der in der Nachspielzeit verzweifelt versucht, das befreiende Tor zu schießen."

Daniel Theweleit (Financial Times Deutschland) ruft in Erinnerung, dass Luhukay nicht nur Gladbachs Aufstiegs-, sondern auch Gladbachs Abstiegstrainer ist: "Die Entscheidung, den Trainer zu entlassen, beruhte nicht nur auf den Erkenntnissen der ersten sieben Saisonspiele. Der Holländer ist schon einmal überfordert gewesen in einer Mönchengladbacher Krise. In der Saison 06/07 übernahm er die Mannschaft von Jupp Heynckes nach dem 19. Spieltag mit drei Punkten Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz. Am Saisonende betrug der Abstand elf Punkte. Es gibt Beobachter, die glauben, Luhukay fehle das Gespür für die richtigen Entscheidungen in Krisen. In Mönchengladbach darf er diese Skeptiker nun nicht mehr widerlegen."

Doch es gibt auch Stimmen, die auf Umstände aufmerksam machen, auf die ein Gladbacher Trainer wenig bis keinen Einfluss habe. Markus Lotter (Berliner Zeitung) bereitet die Anhänger des Klubs auf chronische Leiden vor: "Das wesentliche Problem der Borussen ist nicht Trainingsmethodik oder Taktik, sondern in erster Linie die rasche Fortentwicklung der Bundesliga gegenüber der Zweiten Liga. Eine Ehrenrunde nach Abstieg ist eben nicht mehr nur ein Ausrutscher, eine Spielzeit mit Auswärtsfahrten nach Oberhausen, Aue oder Ahlen ist ein Schlag mit der Keule, von dem man sich kaum erholen kann. Kaum mehr möglich, diesen einjährigen Leerlauf zu kompensieren, nach dem Aufstieg wenigstens den Anschluss an das Mittelfeld der Bundesliga zu gewinnen. Die Top Ten der deutschen Vereine vergrößern nun mal Jahr für Jahr die Schrittlänge, und so wird sich womöglich der Kreis der Fahrstuhlmannschaften um namhafte Klubs wie den 1. FC Köln, 1. FC Kaiserslautern oder eben Borussia Mönchengladbach erweitern."

Philipp Selldorf (Süddeutsche Zeitung) will einen Rollentausch zwischen Mönchengladbach und Köln festgestellt haben: "In dieser Saison sind sie abermals gemeinsam zum Neuanfang gestartet, und das Überraschende ist, dass diesmal nicht der immer etwas überhebliche Klub aus der Großstadt, sondern der solidere Bruder vom Niederrhein Opfer seiner Selbstüberschätzung zu werden droht."