Eigentlich hätte die deutsche Schauspielerin und Ulrike-Meinhof-Darstellerin Martina Gedeck aufs Cover der Hamburger Obdachlosenzeitung Hinz&Kunzt kommen sollen. Statt ihr lächelt nun Fernsehmoderator Tobias Schlegel von der Frontseite. Er war die zweite Wahl. Die Redaktion hatte sich entschlossen, von Gedeck abzusehen. Kein Interview. Kein Cover.

Stattdessen erschien in der Zeitung ein Artikel unter dem Titel: "Nicht mit uns! Warum ein geplantes Interview mit Martina Gedeck nicht stattfindet." Der Grund: Immer öfter werden Journalisten dazu angehalten, Verträge und Akkreditierungsbestimmungen zu unterschreiben, die wohlige Berichterstattung garantieren sollen. Die Regularien gleichen sich häufig: Fotos dürfen nur aus bestimmten Blickwinkeln geschossen werden. Texte sollen nicht mehr in Redaktionen, sondern am besten gleich in den PR-Agenturen selbst redigiert werden.

Im konkreten Fall, schreibt Hinz&Kunzt , sollten Zitate und die drei Sätze vor und nach den Zitaten vorgelegt werden. Man hätte sich des Weiteren dazu verpflichten müssen, Frau Gedeck aufs Cover zu heben und sämtliche Bildunterschriften, Zwischenzeilen, Überschriften und Unterzeilen vorzulegen. Fotos sowieso. Gedecks Agentur wollte zu dem konkreten Fall keine Stellung nehmen.

Auch im Zusammenhang mit dem Film Der Baader Meinhof Komplex ist es mehrfach zu solch negativen Schlagzeilen gekommen. Die ersten gab es, als der Film noch gar nicht in den Kinos war. Der Einladung zur Münchner Pressevorführung lag ein Vertrag bei, in denen sich die Journalisten mit ihrer Unterschrift damit einverstanden erklären mussten, keine ausführlichen Besprechungen und Kritiken vor dem 17. September - rund eine Woche vor Kinostart - und keine Interviews oder sonstigen Artikel zum Film vor dem 12. September zu veröffentlichen.