"Ich bin wirklich nicht kriegslüstern", sagte Köhler bei einem öffentlichen Gespräch des Spiegel in der Universität Mainz. "Aber wenn wir es ernst meinen mit Werten, die für uns alle stehen, müssen auch die Europäer Soldaten stellen, um diesem Morden Einhalt zu gebieten." Es könne nicht sein, dass im Rahmen eines glaubwürdigen Uno-Mandats im Prinzip nur die Entwicklungsländer und die Afrikaner mit Truppen vor Ort seien.

Es sei schwer zu begründen, warum die Deutschen und andere europäische Staaten in einer Reihe von Krisengebieten militärisch engagiert seien, aber im Kongo sich weitgehend aufs Zusehen beschränkten. "Entweder wir sagen, dass wir solche Situationen aus humanitären Gründen nicht mehr zulassen wollen, oder wir lassen es laufen, weil wir es nicht lösen können."

Die UN hat in der Konfliktregion Nord und Süd Kivu bereits 17.000 Blauhelmsoldaten und Polizeikräfte stationiert. Wegen der schweren Kämpfe drängte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon den Sicherheitsrat zur Verstärkung des Einsatzes mit "robusten Regeln". Bisher sind Soldaten aus Europa nur als Beobachter beteiligt, deutsche sind nicht darunter. Die Truppen setzen sich vor allem aus Soldaten afrikanischer und asiatischer Staaten zusammen.

Frankreich hat dem Weltsicherheitsrat einen Antrag auf Verstärkung der Friedensmission im Osten des afrikanischen Landes (Monuc) vorgelegt. Wie aus Diplomatenkreisen in New York verlautete, könnte der Uno-Resolutionsentwurf noch in dieser Woche angenommen werden. Er sieht eine Aufstockung der Monuc-Mission, der bislang größten UN-Friedensmission, um 3085 Mann vor.

Der Bürgerkrieg im Kongo hat einen Flüchtlingsstrom ausgelöst. Allein seit Ende August sind nach Uno-Schätzungen rund 250.000 Menschen geflohen. Viele von ihnen leben nun in völlig überfüllten Lagern in Goma und Umgebung, tausende sind wegen der angespannten Sicherheitslage von jeder Hilfe abgeschnitten.