"Ja, was soll ich denn jetzt sagen?", sagt Peter Sodann und spielt der Ratlosen. Dann hebt er seine Arme, zuckt mit den Achseln und seufzt: " Das ist alles ganz schwer".

Arme heben, Achsel zucken und seufzen kann er gut. Dabei hätte der Schauspieler und Kabarettist, den die meisten Deutschen vor allem als ehemaligen Leipziger Tatort-Kommissar Bruno Ehrlicher kennen, ja nur dankend abwinken müssen, als er von Gregor Gysi gebeten wurde. Aber Peter Sodann sagt "so ungern" nein, wie er nun kokett bekennt, und deshalb muss er Bundespräsident werden, oder zumindest werden wollen. "Das ist doch irre", sagt Sodann als Nächstes.

In der Tat. Gerade hat die Bundestagsfraktion der Linken Peter Sodann per Akklamation zu ihrem Kandidaten für das höchste Staatsamt bestimmt. Nun steht der 72-Jährige vor der Journalistenmeute im Reichstag und soll erklären, warum er sich für diese aussichtslose Kandidatur zur Verfügung stellt. Und das Erste, was ihm nach dem Armheben, Achselzucken und Seufzen schmunzelnd dazu einfällt, sind ein paar Anekdoten aus seinem langen Theaterleben und Gedichte von Goethe, Heine und Brecht, die er mühelos rezitiert, sowie das Bekenntnis ein "Linker" und ein "utopischer Sozialist" zu sein.

Seit Dienstag ist es also offiziell. Die Linkspartei schickt den Schauspieler Sodann in ein aussichtsloses Rennen gegen den Amtsinhaber Horst Köhler und dessen sozialdemokratische Herausforderin Gesine Schwan. Monate lang hatte die Führung der Linken nach einem geeigneten Kandidaten gesucht. Eine Frau hätte die Partei gerne nominiert, aber es fand sich keine. Jetzt muss Bruno Ehrlicher ran, erste Wahl ist er nicht.

Trotzdem finden Oskar Lafontaine, Gregor Gysi und Lothar Bisky natürlich, dass Sodann eine gute Wahl ist: Arbeitersohn, Absolvent der DDR-Arbeiter- und Bauernfakultät, Werkzeugmacher, Schauspieler, Stasiopfer, Intendant, Fernsehstar, Ehrenkommissar der sächsischen Polizei. Die Biografie ihres Kandidaten spricht aus Sicht der drei Spitzenlinken für sich.