Nach 28 Minuten schaltete der Spot auf die Sekunde genau live nach Fort Lauderdale in Florida, wo Obama gerade bei einer Wahlveranstaltung vor Tausenden begeisterter Menschen die Schlussworte sprach. Auch in Florida, wo George W. Bush vor acht Jahren den Demokraten die Wahl stahl, will er seinen Widersacher schlagen.

Brillanter lässt sich nicht planen, eindrucksvoller lässt sich die Überlegenheit nicht präsentieren. Diese Obama-Perfektion, diese Selbstinszenierung, diese vorzeitigen Krönungsmessen wirken auf eher nüchterne, europäische Gemüter geradezu unheimlich. Die meisten amerikanischen Gemüter jedoch empfinden sie anrührend und dem Augenblick einer Präsidentschaftswahl durchaus angemessen. Hier liebt man den großen Auftritt.

Berühmte Filmemacher führten Regie. Freude, Tränen, Glück und Leid, Menschen, Landschaften, Schicksale und viel, viel Emotion – das ist der Stoff für Hollywood, für Joe, den Klempner, Nancy, die Krankenschwester, eben für alle Normalo-Amerikaner. Selbst den skeptischen Fernseh- und Umfragendeutern traten Tränen in die Augen und sie waren einer Meinung: exzellent gemacht und mitten ins Herz getroffen.

Das war beabsichtigt. Zum Schluss seiner Kampagne wollte Barack Obama, Sohn einer Weißen und eines Schwarzen, noch einmal zweifelnden Wählern vor Augen führen, dass auch er sich aus kleinen Verhältnissen hochgearbeitet hat, dass er ebenso aus einer ganz normalen Familie stammt und seine Mutter sich wie Millionen anderer noch auf dem Totenbett über unbezahlte Arztrechnungen sorgte. Dass er geerdet und sympathisch ist, dass er das Ohr am Volk hat und überdies wie Millionen Väter seine Töchter abgöttisch liebt.

Barack Obama führte die Fernsehzuschauer am Ende seiner Kampagne dorthin zurück, wo er vor rund anderthalb Jahren seinen Kampf um das Weiße Haus begann und seine Wandel-Botschaft in die Welt hinausrief: zu den Stufen des Kapitols von Springfield, Illinois. "Seht her," wollte er sagen, "ich habe mich nicht geändert, ich stehe weiterhin zu meinem alten Versprechen. Ich bin authentisch geblieben."