Zwei Tage nach Beginn der Bodenoffensive im Gaza-Streifen setzt die israelische Armee ihre Angriffe auf Ziele der radikal-islamischen Hamas-Organisation fort. Der israelische Rundfunk meldete am Montag, in der Nacht seien 30 Ziele in dem Palästinensergebiet angegriffen worden. Bislang zeige Hamas keine Anzeichen einer Schwächung, meldete der Sender.

In Gaza-Stadt sei es am Montagmorgen zu Schießereien zwischen israelischen Soldaten und militanten Hamas-Angehörigen gekommen. Im Norden waren Explosionen zu hören, als die Soldaten vorrückten. Nach Angaben der Online-Seite der israelischen Zeitung Haaretz feuern Hamas-Kämpfer mit Panzerabwehrraketen und Mörsern auf die vorrückenden Einheiten.

Hamas schickte am Montag eine Delegation nach Kairo, um die ersten diplomatischen Gespräche seit Beginn der israelischen Offensive vor zehn Tagen zu führen. Die Delegation folge einer Einladung Ägyptens, sagte ein Hamas-Sprecher. Am Freitag hatte ein führender Palästinenser erklärt, Ägypten habe Kontakt zu Hamas aufgenommen, um eine Waffenruhe zu erreichen.

Spaltung des Gaza-Streifens

Der Besuch der Hamas-Delegation in Kairo fällt mit der geplante Ägyptenreise des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy zusammen. Er bemüht sich um eine Waffenruhe im Gaza-Streifen und wollte von Montag an unter anderem nach Kairo, Ramallah, Jerusalem und Damaskus reisen. Sarkozy will auch nach der Übergabe der EU-Ratspräsidentschaft an Tschechien im Nahost-Konflikt vermitteln. Der tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg bereist seit Sonntag mit einer EU-Delegation die Krisenregion.

Die Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas wehrt sich indes gegen den Vorwurf, sie wolle die israelische Offensive gegen Hamas im Gazastreifen für eine Rückkehr an die Macht in Gaza nutzen. "Wir werden nicht die Macht aus den Händen Israels empfangen", sagte Fatah-Mitglied Mohammed Dahlan, der früher als skrupelloser Geheimdienstchef in Gaza die Feindschaft Hamas' auf sich gezogen hatte. "Jetzt sitzen wir alle in einem Boot", betonte er.

Seit Beginn der Bodenoffensive hat sich der israelische Militäreinsatz im Gaza-Streifen damit zum bislang blutigsten in der Geschichte der Palästinensergebiete entwickelt. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza starben binnen neun Tagen mindestens 520 Palästinenser, weitere 2500 wurden verletzt.