Da sitzen sie nun wieder, die Verbannten und Ausgebrannten, und kratzen in ihren Tellern. Und lassen sich dabei von den Werberelevanten begaffen.

Rund vier Millionen der 14- bis 49-Jährigen schauten am Wochenende zu nachtschlafender Stunde die RTL-Überlebensshow Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! .

Es sind deutlich mehr als noch vor einem Jahr, bei der dritten Staffel. Trotzdem sind die Reklameunterbrechungen kurz und bestehen zu einem nicht unwesentlichen Teil aus Eigenwerbung des Senders.

Ist den Werbekunden das Format zu unseriös? Sitzt ihr Geld nicht mehr so locker? Oder hat sich bei ihnen inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass die gefeierte Kaufkraft und Markenführerschaft der anvisierten Zielgruppe eine süße Fiktion ist, wie ihr Geburtsvater, Ex-RTL-Chef Helmut Thoma, vor einiger Zeit zugab?

Dazu passt auch der von RTL penetrant betriebene Versuch, stattdessen die Online-Berichterstattung in die richtigen Kanäle umzuleiten. Wer über das Dschungelcamp berichten und ein Pressefoto der Fernsehshow verwenden möchte, muss parallel ein vom Privatsender vorformuliertes Sätzchen samt Link unters Bild packen. Wen man im Fernsehen nicht erreicht, kann man ja auch noch im Internet nerven, denken sich die Werbeverantwortlichen.

Wir werden beim Dschungelcamp Zeugen einer zweifachen Krise. Diejenigen, die drin sind, befinden sich im Karriere-Monopoly in der Badstraße und hoffen auf das große Los. Die, die von außen zuschauen, merken angesichts des wirtschaftlichen Burn-outs mehr und mehr, dass sie nur mit einigem Würfelglück schadlos über die Runden kommen.