Aber das gibt die Stimmung in einem erheblichen Teil der Partei wohl nicht mehr wieder. Auf anderen SPD-Veranstaltungen wird mittlerweile offen auf Ypsilanti geschimpft. Anders als noch vor ein paar Monaten fordern zahlreiche Genossen ihren Rückzug. Vorauseilend geben sie ihr die Schuld für das erwartete Wahldebakel am Sonntag. Einige Abgeordnete, die um ihren Wiedereinzug in den Landtag bangen, wollen angeblich noch am Wahlabend ihren Rücktritt als Partei- und Fraktionschefin verlangen.

Auch Schäfer-Gümbel lässt durchblicken, dass er sie rasch ablösen möchte. Ypsilanti musste die Grenzen ihrer Macht bereits spüren, als der von ihr auserkorene Spitzenkandidat in einem Interview ihren Wortbruch als "Fehler" bezeichnete und hinterher nicht bereit war, dies zu revidieren. Ypsilanti rächte sich, indem sie seinen Namen auf dem Neujahrsempfang der SPD nicht einmal erwähnte.

In Darmstadt nennt sie ihn – einmal. Schäfer-Gümbel, sagt sie sibyllinisch, sei ein "sehr guter, sehr eigenständiger Kandidat". Beim Gehen sagt sie noch rasch, dass sie über ihre Zukunft nach dem Wahltag selbst entscheide.

Aber auch, wenn Ypsilanti am Sonntag oder in den Tagen danach zurücktritt, wird sie in der hessischen SPD politisch weiterleben. Und selbst ein Macho wie der Focus -Chef Markwort muss einräumen, irgendwie fehlt sie schon jetzt: "Ohne sie", seufzt er, "ist es fast ein bisschen langweilig."