Mit Beginn der dritten Woche ihrer Militäroffensive im Gazastreifen hat die israelische Armee verstärkte Angriffe auf Waffenlager und Tunnel radikaler Palästinenser angekündigt. Ungeachtet aller Friedensappelle bombardierte das israelische Militär am Samstag erneut über 40 Ziele. Nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsdienste starben dabei 36 Menschen. Damit stieg die Gesamtzahl der Toten seit Beginn der Offensive am 27. Dezember auf über 830. Unter ihnen sollen nach israelischen Angaben über 300 Hamas-Kämpfer sein. Rund 3500 Menschen wurden verletzt. Auch die radikale Hamas feuerte wieder Raketen auf Israel. Die humanitäre Lage in Gaza verschärfte sich. Bewohner klagten, Trinkwasser- und Lebensmittelvorräte gingen zur Neige.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier traf zu Beginn seiner zweitägigen Nahost-Vermittlungsreise in Kairo mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak sowie mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zusammen. Steinmeier mahnte einen konkreten "Arbeitsplan" für einen Waffenstillstand an. Mubarak bemüht sich derzeit, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln. Zu diesem Zwecke hält sich auch eine Delegation der mit der Fatah von Abbas rivalisierenden Hamas in Kairo auf. Steinmeier traf am Abend in Israel ein.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon protestierte in einem Telefonat mit dem amtierenden israelischen Regierungschef Ehud Olmert gegen Israels fortlaufende Angriffe. Die UN kündigten am Freitagabend an, dass sie ihre nach dem israelischen Angriff auf einen Hilfskonvoi eingestellten Aktivitäten wieder aufnehmen werden. In Großbritannien und Deutschland gab es am Samstag erneut anti-israelische Proteste. Auch in Washington war am Abend eine Großdemonstration geplant.

Israel setzte seine Militäroffensive im Gazastreifen den 15. Tag in Folge fort. Bei neuen israelischen Luftschlägen wurden am Samstagabend neun Palästinenser getötet. Insgesamt wurden am Samstag nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza 36 Palästinenser bei israelischen Angriffen getötet. Damit stieg die Gesamtzahl der Toten seit Beginn der Offensive am 27. Dezember auf über 830.

Nach Armeeangaben sind bisher mehr als 300 Kämpfer der radikal- islamischen Hamas getötet worden. Die Zahl basiere auf Schätzungen militärischer Experten, sagte ein israelischer Offizier am Samstagabend. Ganze Hamas-Bataillone seien "beseitigt" worden.

Auf über dem nördlichen Gazastreifen abgeworfenen Flugblättern drohte Israel mit der verstärkten Bombardierung von Schmugglertunneln und Waffenlagern. "Wir raten allen Bewohnern, sich von diesen Zielen entfernt zu halten", hieß es. In den vergangenen Tagen hatte die israelische Luftwaffe Tunnel bei Rafah im Süden des Gazastreifens massiv bombardiert. Infolgedessen waren Zehntausende Menschen geflohen. Militärexperten gehen davon aus, dass die radikal- islamische Hamas auch in den anderen Teilen des Gazastreifens über unterirdische Anlagen verfügt.