Milliarden für Schulen, Schienen und ein großes Steuer- und Abgabengeschenk dazu: Was die Große Koalition am Montag als Riesenpaket gegen die Krise beschlossen hat, beschert dem Staat die höchste Neuverschuldung seit dem Krieg. Der für die Bürger spürbare Effekt nimmt sich dagegen bescheiden aus: Bei einer Durchschnittsfamilie mit zwei Kindern betrage die Entlastung einschließlich der Kinderprämie "400 bis 500 Euro im Jahr", überschlug SPD-Fraktionschef Peter Struck. Sein Unions-Kollege Volker Kauder kommt, ohne den Kinderzuschuss, nur auf die reichliche Hälfte. CSU-Chef Horst Seehofer wiederum errechnete für einen Ledigen eine jährliche Entlastung von 269 Euro.

Welche Zahlen am Ende tatsächlich gelten (das Finanzministerium rechnet noch fieberhaft): FDP-Chef Guido Westerwelle ist das alles, wie auch manchen Verbänden und Experten, viel zu wenig. Er spricht von einer Entlastung auf "Taschengeldniveau".

Zu der Anhebung des Grundfreibetrags, der Senkung des Eingangssteuersatzes und der geplanten Abmilderung der sogenannten kalten Progression kommt aber auch noch eine Reduzierung der Sozialabgaben. Der Beitrag zur gesetzlichen Krankenkasse sinkt von 15,5 auf 14,9 Prozent. Allerdings hatte die Koalition den Beitrag mit der Einführung des Gesundheitsfonds zu Jahresbeginn gerade erst um genau diese 0,6 Prozentpunkte angehoben. Für die Arbeitnehmer und Arbeitgeber bedeutet das also keine wirkliche Entlastung.

Die Steuersenkung dagegen kommt den Bürgern und Unternehmen tatsächlich zugute: Rückwirkend ab 1. Januar 2009 soll der Eingangssteuersatz von 15 auf 14 Prozent sinken. Der steuerfreie Grundfreibetrag wird um 170 Euro auf 7834 Euro erhöht, ab 2010 dann auf 8004 Euro. Steuer zahlen muss nur, wessen Jahreseinkommen darüber liegt, und dann auch nur für den Betrag, der über den Grundfreibetrag hinausreicht. Und auch für ihn sollen die Steuertarife reduziert werden, damit steigende Einkommen nicht gleich von der Progression aufgefressen werden.

Den Staat kostet das alles zusammen bis Ende nächsten Jahres 18 Milliarden Euro, und es belastet die Haushalte von Bund, Ländern und Gemeinden auch danach dauerhaft. Deshalb ist durchaus erstaunlich, dass es am Ende dazu kam. Denn nicht nur die SPD war anfangs strikt gegen Steuersenkungen , weil sie darin kein geeignetes Mittel gegen die Rezession sah. Ebenso entschlossen wehrte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel lange gegen das Begehren der CSU.

D och als die erhoffte Wirkung des ersten Konjunkturpaketes vom Herbst ausblieb, bröselte die Front der Gegner. Die Kanzlerin, die sich das Thema eigentlich für den Bundestagswahlkampf reservieren wollte, gab den Widerstand als Erste auf. CSU-Chef Horst Seehofer brüstet sich seitdem damit, die Schwesterpartei erfolgreich auf CSU-Kurs gebracht zu haben.

Über die Weihnachtstage dachte dann auch die SPD-Spitze um: Im neuen Superwahljahr wollte kein Sozialdemokrat mehr als Steuersenkungsverhinderer dastehen , am Ende auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück nicht. Er schlug schließlich die Senkung des Eingangssteuersatzes vor, weil das den Bund billiger gekommen wäre und weil davon vor allem untere Einkommensgruppen profitieren. Die Union bestand jedoch darauf, dass auch die mittleren und oberen Einkommensgruppen entlastet werden sollten.