Steve Jobs zieht sich vom Chefposten bei Apple zurück – vorübergehend, wie es heißt. Er hinterlässt ein Unternehmen mit einer außergewöhnlichen Geschichte, deren größtes Pfund das Image ihres Chefs ist. Das war nicht immer so. Drei Bastler aus dem Silicon Valley begründeten 1976 in einem Schlafzimmer den Mythos Apple. Niemand weiß mit Sicherheit, weshalb Steve Jobs der Firma den Namen Apple verlieh. Der angebissene Apfel, im Englischen "bite" wie "byte" ausgesprochen, wurde zum Markensymbol, zum Sinnbild für den wiedererwachten amerikanischen Traum. Aber auch zum Fingerzeig für Krisen und Misserfolge.

Der 21-jährige Stephen Paul Jobs, Stephen Gary Wozniak und der Grafiker Ronald Gerald Wayne lernten sich über ihre Arbeit bei Atari und Hewlett-Packard kennen und brachten im April 1977 mit dem Apple II den ersten richtigen Personal Computer auf den Markt. Preis: 1298 Dollar. Ein vollständiger Computer mit Gehäuse, Tastatur und Erweiterungsfunktion, einfach zu bedienen, leicht verständlich und erfolgreich. 1977 verkaufte Apple mehrere Tausend Exemplare und erwirtschaftete einen Umsatz von knapp 800.000 Dollar, den man im Jahr darauf schon verzehnfachte. Ende 1978 beschäftigte die Firma bereits mehr als 1000 Angestellte.

Der erste Flop

Doch die Konkurrenz schlief nicht. Atari und Commodore entwickelten eigene Computer, andere Firmen bauten den Apple auf ihre Weise. IBM zog nach. Jobs musste mit einem bürotauglichen Computer antworten. Der Apple III wurde bereits von einem 50-köpfigen Team entwickelt. Die technischen Daten waren denen der anderen Firmen weit überlegen, jedoch streikte das Kühlsystem. Es war Apples erster Flop.

Im Dezember 1980 wagte Apple den Sprung an die Börse. Ende des Jahres wies Apple einen Marktwert von knapp 1,8 Milliarden Dollar auf. Ein Beginn mit großem symbolischen Charakter - zum ersten Mal schaffte ein Kleinunternehmen aus dem Silicon Valley den Sprung an die Wall Street.

Aber: Apple war die Marke von Bastlern, Privatanwendern und Schulen. In den Büros amerikanischer Unternehmen konnte man sich kaum durchsetzen. Also machte sich Jobs an die Entwicklung des Macintoshs, eines Computers, der aus der Sicht des Privatanwenders konstruiert war.

Schlange stehen für einen Mac

Der Mac sollte mehr als ein Computer sein. Ein Kunstwerk und die Erschaffer Künstler, die auf der Gehäuseinnenseite signierten. Während des Super-Bowl-Finales 1984 strahlte Apple einen Werbespot aus, der mehr als 100 Millionen Fernsehzuschauern eine unmissverständliche Botschaft verkündete: Der Macintosh ist da. Nie zuvor in der Geschichte löste ein Werbespot ein solch gigantisches Echo aus. Die Kunden standen vor den Läden Schlange.

Innerhalb von 75 Tagen verkaufte Apple mehr als 50.000 Macintoshs. 1984 erwirtschaftete man einen Umsatz von 1,5 Milliarden Dollar. Auf anfänglichen Kaufrausch folgte jedoch die Bestandsaufnahme der Mängel – keine Festplatte, geringe Speicherausstattung und unausgereifte Software. Es reicht nur zum Spielzeug. Anfang 1985 erreichte die Krise ihren Höhepunkt. Im September kündigte Steve Jobs.

Den eigentlichen Durchbruch schaffte der Mac erst 1987. Apple stellte eine neue, leistungsfähigere Hardware vor. Gleichzeitig boten Drittanbieter immer mehr Programme für den Mac an, welche auf keiner anderen Plattform verfügbar waren. Eine zentrale Rolle in der neuen Strategie spielte der Macintosh Portable - das erste Mac-Notebook.

Dessen Entwickler, der Perfektionist Jean-Louis Gassée, wurde Jobs Nachfolger und stand einer neu geschaffenen Abteilung vor: Apple-Produkte. Obwohl der Mac Portable ein innovatives Produkt war, erwies er sich als Flop. Erfolgreicher wurden von 1991 an die PowerBooks, die ersten Laptops. Mit dem Fortschreiten der PC-Revolution jedoch stand Apple bald darauf schon als Verlierer im Kampf der Plattformen fest. Letzter Rettungsversuch: Man verbündete sich mit dem einstigen Erzrivalen IBM und wollte eine neue Computerplattform etablieren. Gemeinsamer Feind: Microsoft.

Microsoft macht Konkurrenz

Microsoft kündigte Windows im November 1983 erstmals an. Apple ließ sich davon nicht beunruhigen, denn man war gegenüber Microsoft vertraglich abgesichert: Windows durfte dem Mac-System nicht allzu stark gleichen. Doch Windows 95 übernahm fast alle grafischen Merkmale des Mac-Systems. Bill Gates hatte sein eigenes Ziel, den Mac auf den PC zu bringen, erreicht.

Zahlreiche Gerichtsprozesse folgten - Apple verlor und es kam noch schlimmer. Die ersten Exemplare des neu entwickelten PowerBooks waren ausgeliefert, da machten Gerüchte um explodierende Batterien die Runde. Im September 1995 rief Apple sämtliche verkauften Geräte zurück.

1996 kaufte das Unternehmen NeXt, die Firma des ausgebooteten Steve Jobs. Offiziell nur Berater, war Jobs' Einfluss auf die Medien und die Käufer größer denn je. Er besetzte zahlreiche Schlüsselpositionen durch ehemalige NeXT-Mitarbeiter und verkündete den Schulterschluss mit Microsoft. Jeder Mac hatte fortan den Internet Explorer als Standardbrowser, Microsoft verpflichtete sich im Gegenzug, das Office-Paket weitere fünf Jahre für den Mac anzubieten. Und Apple machte wieder Gewinn.

Im Mai 1998 stellte Apple dann den iMac vor. Er war die verkörperte Antithese des klassischen Computerdesigns: bunt, schön und rundlich. Technisch aber nichts Außergewöhnliches. Der iMac präsentierte sich als Computer der Zukunft, er ließ keinen Raum für die technologischen Relikte. USB war das Zauberwort. Es war nicht nur schneller als ältere Schnittstellen, sondern erlaubte auch das Anstecken von Geräten im laufenden Betrieb. Im Sommer 1999 kam das iBook. Es verfügte als erster Computer über die WLAN-Technologie, dank der sich drahtlose Netzwerke aufbauen ließen.

Im Herbst 2000 jedoch brach der PC-Markt vollkommen zusammen. Die meisten Haushalte waren mit modernen, internetfähigen Computern ausgerüstet, der Markt war gesättigt. Der PC habe keine Zukunft mehr, sagten Analysten. Anders Steve Jobs: Nicht mehr das Internet würde beim PC im Vordergrund stehen, sondern der Digital Lifestyle. Der Mac des 21. Jahrhunderts müsse in der Lage sein, mit anderen digitalen Geräten zu kommunizieren. Jobs präsentierte folgerichtig die Musiksoftware iTunes, welche Musiktitel verwalten und auf CD brennen konnte.

Doch der wichtigste Schritt kam 2001. Der iPod – ein Musikplayer, welcher auf seiner 5 Gigabyte fassenden Festplatte rund 1000 Songs speichern konnte. Er war extrem klein und leicht. Die Integration der Software iTunes, die schnelle Datenübertragung mittels FireWire und die leichte Bedienung machten den iPod zum Statussymbol.

Apple beherrschte den Markt der digitalen Musikplayer und behauptete die Stellung auch, als große Unternehmen der Unterhaltungsindustrie mit eigenen Modellen in das Geschäft einstiegen. Apple verbesserte den iPod kontinuierlich. Drei Jahre nach seiner Einführung ergänzte Apple den iPod um eine Bildverwaltung, bis zu 25.000 Fotos ließen sich abspeichern. Apples Quartalsumsatz stieg 2005 auf mehr als drei Milliarden Dollar bei rund 300 Millionen Gewinn. Im Sommer 2001 eröffnete Apple eine eigene Ladenkette mit mehr als hundert Filialen in ganz Amerika. Zweieinhalb Jahre später sperrten die ersten Ladengeschäfte in England und Japan die Türen auf.

2007 folgte der Angriff Apples auf den Mobilfunkmarkt. Mit dem iPhone schuf man eine marktübergreifende Verbindung aus Handy, iPod, Videoplayer, Kamera und Internetbrowser. Gerade am iPhone lässt sich wiederum der Lifestyle-Faktor der Marke Apple ablesen. Denn ein iPhone zu besitzen wird von Apple zum unumgänglichen Must-have des neuen Jahrtausends ausgerufen. Da machen auch technische Probleme und Plagiatsvorwürfe wenig aus.