Es war ein Geschäft – doch kurz vor dem Abschluss gab sich Robert Basic gefühlsbetont. "So nochmal pipi in augen und dann mann spielen", tickerte er im Telegramm-Stil über den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter. Der 42-Jährige hatte sein Blog Basic Thinking – eines der bekanntesten in Deutschland ­ beim Onlineauktionshaus eBay zur Versteigerung angeboten.

Donnerstagabend schlug der Internet-Dienstleister Serverloft aus Hürth bei Köln zu und gab 46.902 Euro. Die Summe ist nicht spektakulär, trotzdem sorgt der Fall in der deutschen Blog-Szene für Wirbel – er ist eine spannende Mischung aus Gefühl und PR.

Robert Basic gehört zu den bekanntesten Autoren der deutschen Blogosphäre. Seit Anfang 2003 hat der gebürtige Kroate fast 12.500 Artikel geschrieben. Meistens ging es um Trends im Netz: Blogs und Twitter, soziale Netzwerke und Startups. Mit seinen teils witzigen, teils bissigen und stets persönlichen Einträgen erarbeitete sich Basic eine Ausnahmestellung. "Alpha-Blogger", oder "Blog-Gott" nannten ihn einige. Nicht jeder mag seine Art, Basic polarisiert, kaum jemand in der Blogosphäre kommt an ihm vorbei.

Die Aufmerksamkeit hat sich ausgezahlt: Während die überwiegende Zahl der deutschen Blogger kaum Geld verdient und das Publizieren als Hobby betreibt, bestreitet der ehemalige Banker aus dem hessischen Usingen damit seinen Lebensunterhalt. Im vergangenen Jahr erzielte er immerhin 37.000 Euro Werbeeinnahmen. "Wer die Website aktiv vermarktet, kann den Betrag locker verdoppeln oder verdreifachen", sagt er. Der Verkaufspreis von knapp 47.000 Euro verdeutlicht, dass auch ein Blog zu einer Marke werden kann.

Als Basic in einem Artikel lapidar ankündigte, dass es Zeit für einen "Luftwechsel" sei und er Basic Thinking verkaufen wolle, war die Aufregung entsprechend groß. Erst summte die Blogosphäre, dann ließen sich die klassischen Medien anstecken. Der Internet-Publizist schaffte es zuletzt sogar in die Abendnachrichten.

Das war die beste Werbung für das junge Medium: "Ich hoffe, der bisserl Rummel hat dazu beigetragen, dass sich erneut etwas mehr Menschen mit Blogs beschäftigen", schrieb Basic. Nicht zuletzt war es aber auch Werbung für ihn selbst: Wenn er auf der neuen Website Buzzriders.com weiterbloggt, dürfte ihm von Anfang an eine große Leserschaft sicher sein – inklusive guter Vermarktungschancen.

Allerdings bezweifeln viele Leser, ob ein Blog mit persönlicher Note ohne den Namensgeber und Macher funktionieren kann. "Der Blog lebt vom Betreiber, seiner Seele. Anderer Betreiber, anderer Blog", schreibt etwa ein Kommentator auf Basics Seite. Der hingegen sieht das anders. Ein Verkauf schade der Popularität kaum, da nur ein Drittel der Besucher Stammleser sei. "Die meisten kommen, weil die Themen sie interessieren", sagt Basic.

Der neue Besitzer – das Unternehmen Serverloft – will das Blog im Sinne des Gründers weiterführen. Technik-Trends und das Web 2.0 sollen im Mittelpunkt stehen, sagte Firmengründer und Geschäftsführer Thomas Strohe. Drei Mitarbeiter melden sich künftig zu Wort. "Wir wollen nicht die Bekanntheit ausschlachten, sondern das Blog fortführen", betont der Basic-Thinking -Fan. Dass es hier nicht nur um Liebhaberei, sondern auch ums Geschäft geht, ist allerdings klar: Den Kauf finanziert der Server-Betreiber aus seinem Marketing-Etat.

Von Christof Kerkmann, dpa