Das U-Bahnfernsehen sendet die passenden Meldungen: Der Fußballspieler Kaká wechsele wohl für 125 Millionen Euro vom AC Milan zu Manchester City, das ist die Lieblingsmannschaft der Band Oasis. Und Boy George müsse für 15 Monate hinter Gitter, weil er einen Callboy seiner Freiheit beraubt habe. Rüpel waren Oasis auch immer, aber so schlimm trieben sie es nie.

Früher, zu Zeiten von Wonderwall hätte man das Volksparkstadion mit Fans der Band füllen können. Heute ist es immerhin noch die Alsterdorfer Sporthalle. 5000 Menschen mögen es sein, die sich in der zugigen Hamburger Multifunktionshalle scharen und … ja, was tun sie eigentlich hier? Den Idolen ihrer Jugend huldigen? Den alten Tagen nachfühlen?

In jenen alten Tagen spielten ihre Idole das furiose Definitely Maybe ein. Im Jahr 1994 war das, da wurde auch die Wahl Nelson Mandelas gefeiert und der Tod Kurt Cobains betrauert. Lange her. Und doch klingt das bahnbrechende Scheppern, diese grandiose Überhöhung des Einfachen auf Stücken wie Slide Away und Supersonic noch heute betörend. Definitely Maybe blieb das beste Album der Band, mit dem zweiten – und dem Gassenhauer Wonderwall – wurden Oasis berühmt. Danach durchwanderten sie das tiefe Tal mangelnder Inspiration. Vier maue Alben lang spielten sie sich selber nach, kochten ihren Stil, ihre Skandälchen, ihre Großmäuligkeit ein ums andere Mal auf.

Erstaunlich, welch homogenes Publikum hier nun beisammensteht. Definitely Maybe war Musik für junge, einsame Männer, die meisten Frauen konnten dem Geschrammel in etwa soviel abgewinnen wie Star Trek und Autorennen. Heute machen Oasis Musik für dieselben Männer, die sind jedoch längst nicht mehr einsam. Die eine Hälfte des Publikums besteht aus Pärchen, die andere aus Männerrunden, die meisten Anwesenden sind zwischen 30 und 40 Jahren alt.

Ist nach 1995 eigentlich noch irgendjemand zum Oasis-Fan geworden? Was hier heute erklingt hat etwas dermaßen Heterosexuelles, dass es kaum auszuhalten ist. Kein Augenzwinkern, nirgends. Dafür Gitarren, Bier, Schweiß, blöde Sprüche, Rock’n’Roll als Klischee.

Eigentlich sind doch aber Rocker immer ganz schmucke Frauentypen. Die Brüder Gallagher hingegen waren es nie wirklich. Der eine – Liam – gibt gern den Rüpel, hat eine erstaunlich feuchte Aussprache und beherrscht nichts als den Schellenkranz. Der andere – Noel – hat einen Silberblick und sieht aus, als stünde eine Operation der Weisheitszähne an. Er gilt als der geniale Kopf der Band. Das muss man wohl relativ sehen: Noel Gallagher ist ein kluger Musiker, so wie Henry Maske ein kluger Boxer ist. Ach ja, da sind noch drei, vier weitere Musiker in der Band, kennt man eigentlich ihre Namen?

Liam Gallagher steht vorn am Mikrofon und zieht die Vokale in die Länge. Das kann man gut mitsingen, auch wenn man den Text nicht kennt. Halbbeglatzte üben sich in Lippenimprovisation. Liam Gallagher ist unzufrieden, er hört seine Stimme kaum auf der Monitorbox, tippelt über die Bühne wie ein Preisboxer und beschimpft die umstehenden Techniker. Und drischt – holla! – seinen Schellenkranz wutentbrannt auf den Boden. Jubel.