Gefeiert wurde bis tief in die Nacht – Obama und seine Frau Michelle besuchten nach der Amtseinführung zehn offizielle Bälle. Am Mittwoch nimmt der neue US-Präsident die Arbeit im Oval Office des Weißen Hauses auf. Mitarbeitern zufolge wird er am Morgen zunächst an einer Gebetsfeier in der Nationalen Kathedrale in Washington teilnehmen. Später steht ein Treffen mit seinen wirtschaftlichen Beratern an, die Arbeit an einem massiven Konjunkturprogramm soll vorangetrieben werden.

Außerdem plant Obama bereits am ersten Tag ein Gespräch mit führenden Militärvertretern. Thema ist der von ihm versprochene Truppenabzug aus dem Irak innerhalb von 16 Monaten.

Das Aussetzen der Terrorismus-Verfahren in Guantánamo hat Obama bereits in die Wege geleitet, erwartet werden auch erste konkretere Stellungnahmen zur Lage im Nahen Osten. Nach Angaben von Mitarbeitern will Obama den früheren Senator George Mitchell zum Nahost-Sonderbeauftragten ernennen, einen Mann, der sich in der Vergangenheit als Vermittler im Nordirland-Konflikt einen Namen gemacht hat.

Bereits am Dienstag hatte der Senat der Berufung von sechs Minister-Kandidaten Obamas zugestimmt. Bestätigt wurden Medienberichten zufolge nach vorheriger Absprache durch einstimmigen Zuruf Steven Chu (Energie), Arne Duncan (Bildung), Janet Napolitano (Heimatschutz), Peter Orszag (Budgetdirektor), Ken Salazar (Inneres), Tom Vilsack (Agrar) und Eric Shinseki (Veteranen-Angelegenheiten).

Hillary Clinton muss auf ihre offizielle Benennung als Außenministerin hingegen noch warten. Der republikanische Senator John Cornyn im 100-köpfigen Senat hatte sich am Dienstag gegen eine einstimmige Bestätigung gestellt und erzwang damit eine direkte Abstimmung durch Einzel-Namensaufrufe, die heute geschehen soll. Clintons Berufung als Außenministerin gilt jedoch als sicher.

Cornyn begründete seine Weigerung damit, dass er weiterhin besorgt über ausländische Spenden sei, die Hillary Clintons Mann, der frühere Präsident Bill Clinton, für eine von ihm gegründete Stiftung eingestrichen hatte. Hillary Clinton habe seine Bedenken, dass die Tätigkeiten ihres Mannes zu einem Interessenskonflikt führen könnten, bisher nicht zerstreuen können.

Der Auswärtige Ausschuss des Senats hatte in der vergangenen Woche der gesamten Kammer bei einer Gegenstimme empfohlen, grünes Licht für Hillary Clintons Berufung zu geben.

Die Feierlichkeiten überschattete ein Zusammenbruch des prominenten krebskranken Senators Edward Kennedy bei einem Mittagessen zu Ehren Obamas im Kapitol. Der 76-jährige Demokrat leidet an einem bösartigen Gehirntumor. Am Tisch erlitt er einen schweren Krampfanfall und musste in ein Krankenhaus gebracht werden. Der Vorfall löste die Sorge aus, dass sich Zustand des Bruders des ermordeten Präsidenten John F. Kennedy dramatisch verschlechtert haben könnte. Ärzte kamen aber nach ersten Untersuchungen zu dem Schluss, dass Kennedy überanstrengt und übermüdet war.

Der aus dem Amt geschiedene George W. Bush traf unterdessen in Texas ein, wo er seinen Ruhestand verbringen wird. Bei seiner Ankunft wünschte er seinem Nachfolger erneut Glück und Erfolg.