Obama drückte vor allem beim weltweit kritisierten Gefangenenlager Guantánamo aufs Tempo und leitete die Schließung binnen eines Jahres ein. Eine entsprechende Verordnung soll bereits an diesem Donnerstag auf den Weg gebracht werden.

Zudem wolle die neue Regierung alle Foltermethoden per Verordnung verbieten. Der neue US-Präsident will auch alle Verfahren im Umgang mit inhaftierten Terrorverdächtigen auf den Prüfstand stellen. Noch am Tag der Amtsübernahme hatte er bereits dafür gesorgt, dass alle Verfahren in dem Lager auf Kuba zunächst eingefroren werden.

Die Militärführung wies der neue Präsident an, Pläne für einen "verantwortungsvollen" Rückzug der Truppen aus dem Irak auszuarbeiten. Obama hatte im Wahlkampf versprochen, alle rund 130.000 US-Truppen innerhalb von 16 Monaten aus dem Irak nach Hause zu holen. Zugleich kündigte er nach einem Treffen mit hohen Sicherheits- und Militärberatern an, eine "umfassende Politik für die gesamte Region" entwickeln zu wollen, die auch Afghanistan mit einbeziehe.

Am Mittwoch fiel zudem eine wichtige Personalentscheidung in Washington: Der Senat stimmte mit breiter Mehrheit der Nominierung Hillary Clintons zur Außenministerin zu. 94 Senatoren gaben der ehemaligen First Lady die Stimme, lediglich zwei votierten gegen sie. Unmittelbar danach wurde die 61-Jährige vereidigt.

Obama schwor die Mitarbeiter seiner Regierung auf Transparenz, hohe moralische Standards und Sparsamkeit ein. Er erwarte "eine neue Ära der Offenheit", sagte er bei der Vereidigung seiner Mitarbeiter. Ziel sei es, das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Regierung wiederherzustellen. Präsident Obama verfügte, dass Gehälter von Mitarbeitern des Weißen Hauses über 100.000 Dollar eingefroren werden. "Amerikanische Familien müssen den Gürtel enger schnallen, also muss Washington das auch", sagte er zur Begründung. Zudem legte er striktere Regeln für die Beschäftigung von früheren Lobbyisten in Regierungsämtern fest.

Zugleich wurde Obama an der "Wirtschaftsfront" aktiv. Er traf sich am Mittwoch mit seinen ökonomischen Beratern. Obamas Hauptziel ist es, möglichst schnell ein 825 Milliarden Dollar (633 Milliarden Euro) schweres Konjunkturpaket zur Ankurbelung der Wirtschaft auf den Weg zu bringen. Allerdings wächst unter Republikanern im Kongress die Zahl der Kritiker, die ein baldiges Treffen mit Obama verlangten.

Der künftige Finanzminister Timothy Geithner mahnte einen  energischen Kurs im Kampf gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise an. Vor allem gelte es, dass so schnell wie möglich wieder Kredite in die Wirtschaft fließen. Wenn das ausbleibe, drohe ein Verlust des bisherigen Lebensstandards und noch größerer Schaden für das Finanzsystem. Es dürfe nie wieder zu einer solchen Finanzkrise kommen. Zugleich verwies er aber auch auf das erwartete Rekord-Haushaltsloch von 1,2 Billionen Dollar. Die USA müssten baldmöglichst aufhören, über ihre Verhältnisse zu leben, sagte er.