Am kommenden Dienstag schwört Barack Obama den Amtseid als 44. Präsident der Vereinigten Staaten. Zwei Jahre und vier Tage sind dann seit dem ersten Bewerbungsvideo auf YouTube ( My Plans for 2008 ) vergangen, wenn die Kampagne auf den Stufen des Kapitols endet. Das Internet war ein wesentlicher Bestandteil von Obamas Wahlkampf. So ist die standesgemäße Begleitung der Inauguration beinahe schon Formsache: Das Presidential Inaugural Committee (PIC) ist für die offizielle Begleit-Website verantwortlich.

Das im typischen Online-Stil der Obama-Websites gehaltene Angebot informiert über die zahlreichen Veranstaltungen des "Inaugural Weekend" , das mit einer Whistle Stop Tour in Philadelphia beginnt: "Die Inaugurationsfeierlichkeiten beginnen in der Geburtsstadt unserer Demokratie, dort wo das Versprechen unseres Landes entstanden ist. Am 17. Januar hält der künftige Präsident Barack Obama zunächst eine Rede in Philadelphia, dann besteigt er einen Zug in Richtung Hauptstadt. In Wilmington (Delaware) kommen Joe Biden und seine Familie mit an Bord, gemeinsam machen sie noch einen Halt in Baltimore (Maryland). Am Nachmittag fährt der Zug dann in der Union Station in Washington, D.C. ein"

Für das zentrale Ereignis, die Vereidigung auf den Stufen des Kapitols, sind jedoch die beiden Häuser des Kongresses zuständig. Das Joint Congressional Committee on Inaugural Ceremonies (JCCIC) organisiert seit 1901 die feierliche Amtseinführung. Ein Gang durch die Geschichte dieser Feier zeigt, wie aus dem Verwaltungsakt eine große öffentliche Gala geworden ist. Von besonderem Interesse ist die für jede Zeremonie neu angelegte platform , eine umweltfreundliche Holzkonstruktion, auf der 1600 geladene Gäste Platz finden. Seit dem ersten Hammerschlag ist ihr Bau in einer Bildergalerie dokumentiert.

Trotz der umweltfreundlichen Bühne betrachten Umweltexperten die Veranstaltung kritisch: Rund 4 Millionen Menschen werden nach Washington, D.C. reisen. Jordy Yager notiert für die Kongresszeitung The Hill.com : "Der CO2-Fußabdruck von Barack Obamas Inauguration wird gewaltig sein, da so viele Menschen nach Washington, D.C. reisen werden – wenigstens kann sich der neue Präsident sicher sein, dass seine eigenen Fußabdrücke auf einem grünen, recycelten Teppich landen. Allerdings zweifeln viele daran, dass die Maßnahmen der Planungsstäbe zur Vereidigung ausreichen werden, etwa die Wiederverwertung der Pferdeäpfel aus der Parade."

Doch das sind die wenigen kritischen Töne. Die Hauptstadtmedien produzieren in den Tagen Unmengen an Spezial- und Sonderinformationen für Besucher. Die sonst eher verschnarchte und von der Ministerialbürokratie dominierte Hauptstadt erwacht alle vier Jahre aus einem Dornröschenschlaf und feiert die größte Party des Landes. Das politische Klatsch-Portal Wonkette.com freut sich über die Konzert-Veranstaltungen und bewertet deren Glanz, Glitzer und Promi-Potenzial. Favorit: die Party des Democratic Leadership for
the 21st Century
in der angesagten K Street Lounge .

Die "Inauguration Central" der Washington Post ist ein umfangreiches Materialpaket.  Dort gibt es zum einen die typischen Tipps für die erwarteten Gäste: Spazierrouten und Hinweise auf noch nicht ausverkaufte Ball- und Konzert-Veranstaltungen. Aber es findet sich auch eine Auflistung geplanter Protestaktionen. So "treffen sich etwa die Leute von 'Arrest Bush' vor dem FBI-Hauptquartier auf der Pennsylvania Avenue. Sie erwarten etwa 3000 Teilnehmer, obwohl es für die Zahl keine Bestätigungen gibt."

Einen noch präziseren Einblick ins Geschehen der Hauptstadt liefert der Lokalnachrichtenservice outside.in .  Die innovative Website organisiert den Zugriff auf Weblogs nach Städten und Stadtvierteln . So findet man zum Beispiel das Blog authentic art visions mit einer Liste von Ausstellungen über Vereidigungskunst .

Die meisten politischen Online-Angebote können den Amtsantritt kaum noch erwarten. Zahlreiche Artikel versuchen einen Ausblick auf die neue Zeit im Weißen Haus. Carrie Budoff Brown widmet sich dabei den Arbeitsroutinen im Weißen Haus: "Mitarbeiter erwarten, dass zumindest am Anfang die Arbeitslast so umfangreich sein wird, dass man darüber nachdenkt, wie man den Angestellten offiziell den Kontakt mit der Familie ermöglichen kann. Diskutiert wird etwa die Einladung von Ehepartnern und Kindern ins Weiße Haus zu informellen Essen außerhalb der Kernarbeitszeiten."