Wer die Aufklärungsarbeit von Tatort-Kommissaren mag, kann sich die Bilder nun selbst produzieren. Das jedenfalls ist die Idee der ARD-Tatort-Hörspiele, die seit dem Januar 2008 auch im Radio gesendet werden. Neun Rundfunkanstalten entwickelten mit versierten Autoren Profile von regionalen Ermittlerteams und erschufen neue Fälle. Die Krimis sollen unabhängig vom TV-Format sein und nur halb so lang wie die Filme.

Vier von ihnen wurden vom Hörverlag bereits auf CD gepresst und im August in den Handel gebracht. Zwei weitere folgten am 21. November. Schrei der Gänse heißt die Produktion von Radio Bremen, die im Mai auf RB Nordwest Radio ausgestrahlt wurde und nun im Buchladen bereitliegt. Das Buch schrieb John von Düffel, die Regie führte Christiane Ohaus.

Mal reingehört! Dazu Rumkugeln. Nach der Ansage ertönt ein Kinderchor: "Fuchs, Du hast die Gans gestohlen, gib sie wieder her!" Die Musik kommt stets wieder. Der Sound erinnert an "Petra und die Wölfin" (im Zuge der Gleichberechtigung). Jetzt geht es los: Der Staatsanwalt, er heißt Gröninger (gesprochen von Markus Meyer, Mitglied am Wiener Burgtheater), kommt aus, huch, Bremerhaven. Klingt der wie Jan-Josef Liefers auf Cola Zero? Wo ist die überhaupt? Noch ne Rumkugel: lecker!

Evernich, die Tante von der Mordkommission in Bremen, begegnet dem Staatsanwalt. Isses die Kommissarin aus dem Fernsehen? Nein, es ist Marion Breckwoldt, heißt es im Booklet. Die spielt am Hamburger Schauspielhaus. Hauptkommissarin Evernich und Staatsanwalt Gröninger reden über das Essen. Nein, nicht noch eine Kugel?! Doch!

Die Szenen glaubt man vom Fenseh-Tatort zu kennen. Sie haben eine ähnliche Bauart. Auf Collagiertes, Abstraktionen und eine andere Sprachlichkeit wartet man vergebens. Mit Hörspielkunst hat das wenig zu tun. Aber wer hat das erwartet? Das Hörspiel ist in neun Stücke zwischen einer und sieben Minuten aufgeteilt, da fällt der Wiedereinstieg leicht.

Andere Szene: Etwas fehlt, eine Vermisstenanzeige wird aufgegeben. Der Leiter eines Schullandheims meldet den Verlust einer Gans. "Gänse sind die besten Wachhunde", weiß der Staatsanwalt.  Früher gab es den Fall Marvin, da wurde aus demselben Schullandheim ein Junge entführt. Der Täter wurde nie gefasst. Missbrauchsfälle und Mord – darum also geht's. Ein Serientäter? Ein Profiler kommt ins Spiel.