Festgenommen hat ihn ausgerechnet die Regierung in Ruanda, die seinen Aufstand im Osten des großen Nachbarlandes mit Waffen und Soldaten unterstützt hatte.

Noch Ende vergangenen Jahres waren Nkundas Truppen auf Goma, die Hauptstadt der Provinz Nord-Kivu, vorgerückt, hatten eine neue Flüchtlingskatastrophe und eine neue Runde im Karussell der Krisendiplomatie ausgelöst.

Nun sitzt der einst mächtige Führer in Haft. Ruanda wiederum hat vor einigen Tagen mit dem Einverständnis des kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila Truppen in den Kongo geschickt, um zusammen mit der kongolesischen Armee jene Hutu-Milizen auszuheben, die nach herrschender Lesart ein Hauptgrund des Dauerkrieges sind: die FDLR.

Unter ihnen befinden sich auch Anführer des Völkermordes in Ruanda, wo 1994 Hutu 800.000 Tutsi ermordeten, bis sie ihrerseits von einer Tutsi-geführten Truppe unter dem Kommando des späterer ruandischen Staatspräsidenten Paul Kagame über die Grenze in den benachbarten Kongo getrieben wurden.

Gemessen an der tiefsitzenden Feindschaft zwischen beiden Ländern sind diese jüngsten Entwicklungen eine politische Sensation. Das Problem ist: Keiner (die Autorin dieses Artikels eingeschlossen) versteht so richtig, was da vor sich gegangen ist – außer vielleicht den direkt Beteiligten in Kinshasa und Kigali. Und nicht mal da kann man sicher sein.

Fangen wir also mit dem an, was man als gewiss voraussetzen kann: Bald drei Jahre nach den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen ist der Kongo nach wie vor ein failed state , der kein staatliches Gewaltmonopol ausüben, geschweige denn, seine Grenzen schützen kann.

Nirgendwo ist das deutlicher als im Osten des Landes, wo sich seit dem Genozid im benachbarten Ruanda ruandische Hutu-Milizen festgesetzt haben, wo es von Bürgermilizen wimmelt, wo die kongolesische Minderheit der Tutsi immer wieder Verfolgung ausgesetzt ist, wo die Kontrolle über Gold-, Kupfer- oder Zinnerzminen und über Handelswege den Krieg seit Jahren lohnender machen als den Frieden.

Hier konnte sich Nkunda mit seiner CNDP (zu deutsch: Nationaler Kongress zur Verteidigung des Volkes) über Jahre als Regionalherrscher und selbst ernannter Beschützer der kongolesischen Tutsi etablieren; hier haben sich die FDLR (zu deutsch: Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas) in den Kivu-Provinzen eingegraben, um noch immer den Sturz der Kagame-Regierung in Ruanda zu propagieren und die kongolesische Zivilbevölkerung zu terrorisieren.

Hier holte sich auch die völlig desolate kongolesische Armee gegen Nkunda eine Niederlage nach der anderen, was sich für Kongos Präsidenten Kabila zu einer Serie von Demütigungen auswuchs.

Damit wäre man bei einer möglichen Erklärung für den jüngsten Deal zwischen Kongo und Ruanda.