Mit erfahrenen Politikern und neuen Hoffnungsträgern wollen die Grünen bei der Europawahl ihr Rekordergebnis von 2004 verteidigen. Die Vize-Vorsitzende der grünen Europa-Fraktion, Rebecca Harms, und Ex-Parteichef Reinhard Bütikofer erzielten am Samstag auf dem Bundesparteitag in Dortmund als Spitzenkandidaten für die Wahl Anfang Juni satte Mehrheiten.

Mit einem konsequent ökologisch-sozialen Kurs wollen die Grünen die "große Koalition" von Konservativen und Sozialdemokraten im EU-Parlament beenden und Schwarz-Gelb im Bund verhindern.

Europaweit sollen mit einem "New Deal" aus Investitionen und Reformen Rezession, Klimawandel und Armut bekämpft werden, beschlossen die rund 700 Delegierten am Wochenende. Harms und Bütikofer erhielten nach eindringlichem Werben für eine stärkere EU jeweils über 80 Prozent der Stimmen.

Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Werner Schulz schaffte es mit einer Brandrede für Bürgerrechte in einer umkämpften Abstimmung auf den als sicher geltenden Listenplatz acht.

In weiteren Kampfabstimmungen wählte der Parteitag den Mitbegründer des globalisierungskritischen Netzwerks Attac, Sven Giegold, sowie Amnesty-International-Generalsekretärin Barbara Lochbihler auf die aussichtsreichen Listenplätze vier und fünf. Die langjährige Europapolitikerin Heide Rühle konnte sich auf Platz drei durchsetzen - unter anderem gegen die frühere Parteichefin Angelika Beer, die mehrere bittere Abstimmungsniederlagen erlitt und nicht aussichtsreich nominiert wurde.

Das zuvor mit großer Mehrheit beschlossene Reformprogramm unter dem Motto "Europa klar machen" soll dazu beitragen, an das fulminante 11,9-Prozent-Ergebnis der Europawahl 2004 anzuknüpfen. Parteichef Cem Özdemir gab für die Europawahl am 7. Juni ein zweistelliges Resultat als Ziel aus. Parteichefin Claudia Roth sagte sogar: "Wir wollen 16 grüne Frauen und Männer im Europaparlament." Derzeit sind es 13.