Die ausländischen Soldaten in Afghanistan mussten bislang über eine mühsame Route durch Pakistan versorgt werden. Durch Attacken der Taliban war dieser Weg inzwischen aber derart gefährlich geworden, dass Lkw-Fahrer die Fahrt nach Afghanistan verweigerten. Am Wochenende musste zuletzt ein viel benutzter Grenzübergang in Landi Kotal nach Raketenbeschuss vorübergehend geschlossen werden. Wenige Tage zuvor hatten Taliban ein Versorgungslager der Nato in Peshawar angegriffen und mehr als 100 Lastwagen in Brand gesteckt.

Nun hat US-Oberbefehlshaber General David Petraeus bekannt gegeben, dass Russland und die benachbarten zentralasiatischen Staaten ihre Grenzen für Nachschublieferungen auf dem Landweg öffnen werden. Gestern bestätigte der Außenminister Tadschikistans, Chamrochon Sarifi, dass sein Land der Nato den Transit für "nicht-tötliche" Güter wie Treibstoff, Lebensmittel und Medikamente erlauben werde. Nähere Information würden im Februar bekannt gegeben.

Die neuen Transportwege würden es der USA erlauben, in Zukunft mehr Soldaten nach Afghanistan zu schicken, sagte General Petraeus in Islamabad, wo er sich mit der politischen und militärischen Führung Pakistans getroffen hatte. Der neue amerikanische Präsident, Barack Obama, plant zusätzliche 30.000 Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Damit würde sich die amerikanische Truppenstärke in Afghanistan fast verdoppeln. Verteidigungsminister Robert Gates hat angekündigt, in den nächsten Monaten 20.000 Soldaten nach Afghanistan entsenden zu können.

Die zusätzlichen Truppen werden die USA nutzen, um die Taliban großflächig zurückzudrängen, sagte General a.D. Jack Keane. Bislang konnten die Taliban nur punktuell bekämpft und Geländegewinne nicht gesichert werden. Zudem sei geplant, die afghanische Armee schneller auszubauen. Auch wolle man lokale Milizen aufrüsten und in Kampagnen gegen die Taliban einbinden, sagte Seth Jones, Afghanistan-Experte des Think-Tanks RAND zu Bloomberg.com .

Obama hatte im Wahlkampf ein kompromissloseres Vorgehen gegen Pakistan angekündigt. Man werde auch ohne Zustimmung der pakistanischen Regierung Militäraktionen durchführen, sofern dort zweifelsfrei terroristische Aktivitäten stattfinden würden. Er hoffe aber, dass Pakistan seine Probleme alleine in den Griff gekommen könne.