Eine Stunde hat sich Bernd Hoffmann Zeit genommen, doch ein Interview soll und darf es nicht werden. Das habe er bislang beim Thema Aufsichtsratswahl so gehalten, und er bitte um Verständnis, dass er es dabei belasse. Doch gesprächsbereit und offen ist Hoffmann, um zuversichtliche Ausstrahlung muss er sich nicht bemühen.

Stolz ist er auf seine Bilanzen: Sportlich sei der HSV, bis auf eine kurze Talfahrt vor zwei Jahren, konstant gut gewesen; wirtschaftlich gesund, gerade erst sei Nigel de Jong weit über Marktwert für 18 Millionen Euro verkauft worden; das Stadion sei fast immer voll; die Reputation des Klubs in der Stadt sei gestiegen. Dieses Selbstbewusstsein spricht aus ihm in jedem Satz, in jedem Blick. Klar ist ihm, dass er keinen Bonus hat. Als der HSV im Winter 2006/2007 auf dem letzten Tabellenplatz stand, hat die Lokalpresse seinen Kopf gefordert.

Hoffmann will keinen Zweifel an sich und seiner Arbeit aufkommen lassen, weiß aber natürlich um seine Situation und was am Sonntag für ihn auf dem Spiel stehen könnte. Vielleicht nicht unbedingt sein Job, aber das Tagesgeschäft könnte ihm erschwert werden. Je nachdem, wie viele der vier Supporters-Kandidaten, von denen niemand so genau weiß, wie kritisch sie Hoffmann sehen, die Zustimmung der Mehrheit finden. Eine Bewertung der Kandidaten scheut er, über sie lässt er kein schlechtes Wort fallen. Dass es Leute im Verein gibt, die eine andere Führung wollen, sei ihm aber klar. Und schiebt nach, dass er diese nicht mit den Supporters gleichgesetzt wissen will. Manfred Ertels Aussage, einer der vier Kandidaten, in der SZ ("Hoffmanns Job wird schwerer") hat er freilich mit Skepsis gelesen.

97 Euro für ein Bundesliga-Ticket hat der HSV beim Heimspiel gegen Werder Bremen im November verlangt, zumindest für ein Kontingent von etwa tausend Plätzen. Wie weit kann man an dieser Spirale noch drehen? Dass das in der Öffentlichkeit das Bild vom Business-Hoffmann bestätigt, dürfte er gelernt haben. Die Kritiker weist er darauf hin, dass der Klub die Preise für Spiele in der Woche reduziere, etwa in nationalen oder internationalen Pokalwettbewerben.

Ein eingetragener Verein macht neunstellige Umsätze im Jahr – das wertet Bernd Hoffmann als Anachronismus. Strukturen würde er gerne modernisieren, weiß aber, dass er in Hamburg keine Chance hätte, das umzusetzen. Vermutlich ist er einer der größten Gegner der 50+1-Regel, aber er könnte derjenige sein, der am wenigsten von ihrer Abschaffung profitierte. Rahmenbedingungen macht er nicht für alles verantwortlich: Dass sein HSV vor drei Jahren gegen Rapid Bukarest aus dem Uefa-Pokal ausgeschieden ist, habe nichts mit fehlenden Investoren zu tun.

In der Kritik steht Hoffmann, weil er dem Sportchef der Hamburger Bild-Zeitung zum 60. Geburtstag eine Uhr im Wert von über 1.000 Euro geschenkt hat. Hat er sich das Wohlwollen der Redaktion gekauft? Bild teilte oft kräftig gegen ihn aus, inzwischen bekommen es die Hoffmann-Gegner aus dem Supporters-Lager ab. Hoffmann bestreitet einen Zusammenhang, und er bestreitet einen Hintergedanken. Was sei daran verwerflich, sich bei langjährigen Partnern wie Sponsoren und Journalisten mit einer Nettigkeit zu bedanken? Dass er Journalisten als Partner und in einem Atemzug mit Sponsoren nennt, enthüllt ein fragliches Bild von Journalismus.

Verfolgen Sie die Höhepunkte der HSV-Aufsichtsratswahl: Unser Autor Oliver Fritsch ist live dabei und twittert über den Account von zeitonlinesport.