Herr Meyer, seit drei Monaten arbeiten Sie wieder als Trainer bei Borussia Mönchengladbach. Wie oft haben Sie schon gedacht: Warum hab ich mir das angetan?

Hans Meyer: Warum sollte ich das denken? Ich wusste doch, dass ich hier auf die Schnauze fallen kann. Dazu habe ich die letzten drei Monate nicht gebraucht. Aber die Vorstellung hat mich nicht abgeschreckt.

Sie haben das Scheitern einkalkuliert?

Meyer: Ich kann den Klassenerhalt nicht garantieren. Die Chance ist nicht größer als fifty-fifty. Aber gerade das macht es interessant. Wir haben elf Punkte, realistisch betrachtet atmen wir nur noch, weil die Konkurrenz es auch nicht besser gemacht hat.

Haben Sie das Auftaktprogramm einmal gedanklich durchgespielt: in Stuttgart, gegen Hoffenheim und in Bremen?

Meyer: Das möchte ich jetzt nicht im Einzelnen durchgehen. Aber ich bin ein unglaublicher Realist. Theoretisch kann zwischen uns und dem rettenden Platz nach drei Spielen schon eine echt ernsthafte Differenz entstehen. Dazu müsste aber auch unsere Konkurrenz ihre Spiele gewinnen.

Haben Sie die Probleme unterschätzt?

Meyer: Bestimmt nicht. Nach 38 Jahren als Trainer traue ich mir schon einen gewissen Sachverstand zu. Ich schätze meinen Vorgänger Jos Luhukay sehr, ich weiß, dass er bei der Mannschaft gut angekommen ist, weil er eine sehr menschliche Art hatte. Trotzdem hat die Mannschaft sechs von sieben Spielen verloren – mit der Aufstiegseuphorie und den Aufstiegshelden. Glauben Sie im Ernst, dass ich unter solchen Voraussetzungen hier hinkomme und sage: Ach, das mache ich mit links. Wer kann so etwas annehmen? Da muss man entweder dumm oder böswillig sein.

Ihnen wird vorgeworfen, Sie hätten die Mannschaft gar nicht gekannt.

Meyer: Das ist doch Blödsinn. Ich habe Gladbach nie so beobachtet, als wenn’s meine eigene Mannschaft wäre, das stimmt. Aber ich habe sie deutlich mehr beobachtet als alle anderen. Ich habe nicht erst 14 Tage gebraucht, um die Spieler kennenzulernen. Nehmen Sie Sascha Rösler

… den Sie aus dem Kader gestrichen haben und der jetzt für 1860 München spielt.

Meyer: Natürlich kannte ich Sascha Rösler. Wissen Sie, warum? Weil ich früher mal über seine Verpflichtung nachgedacht habe. Ich bin davon abgekommen. Er war mir nicht dynamisch genug. Rösler ist fraglos ein sehr guter Zweitligaspieler, aber er ist 31 Jahre alt. Wie viele Jahre hat er in der Bundesliga gespielt? Zwei! Und da ist er mit Ulm und Aachen abgestiegen.

Sie haben sieben Spieler aussortiert, Christian Ziege, der vor Ihrer Zeit Sportdirektor und dann Ihr Kotrainer war, ist geflüchtet. Die Außendarstellung ist nicht optimal.