Ganz im Gegensatz zu 2007, als die chinesische Wirtschaft um 13 Prozent zulegte, bremste sich das Wachstum im letzten Quartal 2008 auf 6,8 Prozent ab. Im Gesamtjahr wurden aber noch 9 Prozent erreicht, wie das nationale Statistikamt am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Peking mitteilte.

Das Wachstum in China ist damit auf den niedrigsten Stand seit 2001 gerutscht. Erstmals seit 2003 ist der Anstieg auch nicht mehr zweistellig. Experten rechnen in diesem Jahr nur noch mit einem Wachstum in China zwischen 5 und 7,5 Prozent.

"Die internationale Finanzkrise verschärft sich und breitet sich aus, während die negativen Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft anhalten", sagte Statistikchef Ma Jiantang. Der deutlich schwächere Konjunktur in der drittgrößten Volkswirtschaft der Erde dämpft die Hoffnungen, dass zumindest China angesichts der Krise in den USA, Europa und Japan der Weltwirtschaft noch auf die Sprünge helfen kann.

Der fallende Bedarf der chinesischen Wirtschaft für Teile und Materialien trifft bereits spürbar Exportindustrien in anderen asiatische Volkswirtschaften wie Taiwan, Südkorea und Japan.

Durch die Krise fielen in China die Importe im letzten Quartal sogar um 8,8 Prozent, während die Exporte nur noch um 4,3 Prozent zulegten. Der Handelsüberschuss wuchs um 32,8 Milliarden auf 295,5 Milliarden US-Dollar.

Chinas Industrieproduktion stieg im ganzen Jahr um 12,9 Prozent. Das sind 5,6 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Im letzten Quartal verlangsamte sich der Zuwachs auf nur noch 6,4 Prozent – so wenig wie seit Beginn der Erhebungen 1994 nicht mehr. Millionen von Arbeitern haben bereits ihre Arbeit verloren. Rund ein Fünftel aller Wanderarbeiter, die zum Neujahrsfest am Wochenende in ihre Heimatdörfer heimkehren, seien von Fabrikschließungen oder der Einstellung der Produktion betroffen, schätzte das Statistikamt.

Das berichtete Wachstum von 9 Prozent erscheint dem China-Ökonom Ben Simpfendorfer von der Royal Bank of Scotland noch "leicht übertrieben". Er hatte für das letzte Quartal statt der offiziellen 6,8 Prozent nur einen Anstieg um 5,4 Prozent erwartet. Er bleibt unverändert bei seiner Prognose von 5 Prozent für 2009. Die Regierung hatte im Spätherbst 2008 ein Konjunkturprogramm über vier Billion Yuan (mehr als 400 Milliarden Euro) aufgelegt, um der weltweiten Krise etwas entgegen zu setzen.