Mit über 40 Staats- und Regierungschefs werden doppelt so viele Spitzenpolitiker in den Schweizer Wintersportort kommen wie im vergangenen Jahr. Die etwa 2500 Teilnehmer, 60 Prozent aus der Wirtschaftselite, werden von Tausenden von Sicherheitskräften bewacht, darunter 5000 Soldaten. Aus Deutschland wird neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auch der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle erwartet. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) reist nicht wie geplant nach Davos.

Es wird erwartet, dass die Politik, die weltweit nach dem Zusammenbruch des Finanzsystems die Führungsrolle übernommen hat, auch in Davos Leitlinien für eine Lösung der Krise vorgeben und diskutieren wird. So soll etwa das im April stattfindende Treffen der Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20), der auch die Europäische Union angehört, vorbereitet werden, das ebenfalls Lösungen aus der Krise suchen soll.

Kaum vertreten bei den bis Sonntag geplanten Gesprächen sind aktive Politiker der USA. Zwar haben der ehemalige Präsident Bill Clinton und sein früherer Vize Al Gore zugesagt. Der einstige amerikanische Finanzminister Lawrence Summers, der dem neuen Präsidenten Barack Obama als oberster Wirtschaftsberater dienen soll, habe aber ebenso absagen müssen wie der gerade erst vom US-Senat als Finanzminister bestätigte Timothy Geithner, hieß es am Dienstag in Davos. Dafür werde aber Obamas Vertraute und Chefberaterin Valerie Jarrett erwartet.

Nur 21 Prozent der führenden Manager sind weltweit davon überzeugt, dass es in den nächsten zwölf Monaten wieder zu einem Wirtschaftswachstum kommt. 29 Prozent sind pessimistisch, was die Aussichten für das kommende Jahr betrifft. Das geht aus einer Umfrage hervor, die in Davos von der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) vorgestellt wurde. Hierfür waren 1124 Manager in 50 Ländern befragt worden.

Als weitere Risikofaktoren für die Unternehmen nennen Manager Verwerfungen auf den Kapitalmärkten (72 Prozent), Überregulierung (55 Prozent), steigende Energiekosten (50 Prozent) sowie die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitnehmern (46 Prozent). Der durch die Krise ausgelöste Pessimismus zeigt sich in allen Regionen und allen Branchen.

Einen Tag vor dem Weltwirtschaftsforum wurde in der brasilianischen Amazonas-Stadt Belém das als Gegenveranstaltung angelegte Weltsozialforum eröffnet. Wie in Davos ist auch auf dem sechstägigen Treffen in Belém die internationale Finanzkrise ein Hauptthema. Ein Schwerpunkt ist zudem die fortschreitende Zerstörung des Regenwaldes und das damit verbundene Schicksal der indigenen Bevölkerung.