Nach Tagen der Waffenruhe dreht sich die Gewaltspirale im Gaza-Streifen wieder. Am Mittwoch schlug eine von militanten Palästinensern abgeschossene Rakete im israelischen Negev ein. Verletzt wurde niemand. Kurz zuvor hatte die israelische Armee entlang der Grenze zwischen dem Gaza-Streifen und Ägypten Tunnelanlagen aus der Luft angegriffen. Bewohner der Grenzstadt Rafah flohen in Panik aus ihren Häusern, berichteten Sicherheitskräfte der radikalislamischen Organisation Hamas. 

Der Luftschlag am frühen Mittwochmorgen wiederum folgte der Tötung eines israelischen Soldaten nördlich von Kissufim am Dienstagmorgen. Er starb, als während einer Patrouillenfahrt auf der israelischen Seite der Grenze unter seinem Fahrzeug ein Sprengsatz explodierte. Die Bombe war von militanten Palästinensern aus dem Gaza-Streifen gelegt und von dort aus gezündet worden. Drei weitere israelische Soldaten erlitten Verletzungen.

Nach der Attacke feuerten israelische Panzer Granaten auf Häuser im Palästinensergebiet ab. Nördlich von Chan Junis kam ein Landwirt ums Leben. Später tötete eine von einem israelischen Flugzeug abgeschossene Rakete einen Motorradfahrer, der bei Chan Junis unterwegs war. Zudem schloss Israel die Grenzübergänge Kerem Shalom und Karni, über die lebensnotwendige Hilfsgüter eingeführt werden.

Die Waffenruhe zwischen Israel und Hamas wird zumindest so lang brüchig bleiben, wie am festgefahrenen Status quo nicht gerüttelt wird. Israel spricht nicht direkt mit Hamas, weil die Radikal-Islamisten die Vernichtung Israels fordern und die gewaltsame Errichtung eines Staates Palästina vom Jordan bis zum Mittelmeer anstreben. Zudem wird Hamas auch von den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft, was Verhandlungen weitgehend unmöglich macht. Wichtigster Vermittler ist Ägypten geworden, das am Sinai an Gaza grenzt.

Dass Israel die Tunnelanlagen zum Sinai angegriffen hat, ist kein Zufall. Zu den wenigen klar formulierten Kriegszielen Jerusalems gehörte das Ende des Waffenschmuggels in den Gaza-Streifen. Weil das Palästinensergebiet von Israel abgeriegelt wird, herrscht über das Tunnelsystem unter der Grenze zu Ägypten ein reger Schmuggelbetrieb für die Güter des täglichen Bedarfs. Hamas betreibt zudem eigene Tunnel, um Waffen in den Gaza-Streifen zu bringen. Da die kommerziellen Tunnelbetreiber wieder arbeiten, kann man davon ausgehen, dass auch Hamas hier aktiv ist.