Die insolvente Warenhauskette Hertie plant tiefe Einschnitte in ihr Filialnetz und will 19 ihrer 73 deutschen Filialen schließen. Betroffen sind 650 der derzeit noch rund 3400 Mitarbeiter des Unternehmens. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur dpa am Dienstag.

Schwerpunkt der Schließungen ist Nordrhein-Westfalen. Dort sollen allein zwölf Warenhäuser geschlossen werden. Die Schließungen sollen voraussichtlich bis Ende März abgewickelt werden. In der Essener Zentrale des Warenhausunternehmens werden nach den Informationen 30 von 125 Arbeitsplätzen gestrichen.

Das Unternehmen hat die Beschäftigten für den Dienstagabend an allen 73 Standorten sowie in der Essener Zentrale zu Betriebsversammlungen eingeladen. Zu den Inhalten wollte ein Unternehmenssprecher am Dienstag auf Anfrage keine Stellung nehmen.

In Nordrhein-Westfalen sollen die Standorte Bocholt, Duisburg-Walsum, Erkrath, Eschweiler, Essen-Altenessen, Essen-Borbeck, Herdecke, Herne, Köln-Chorweiler, Lünen, Marl und Mettmann geschlossen werden. In Niedersachsen stehen die Häuser in Hameln und Delmenhorst auf der Liste, in Schleswig-Holstein die Standorte in Niebüll und Mölln, in Bayern Aschaffenburg, in Hessen Kassel sowie das Hertie-Warenhaus in Hamburg-Langenhorn.

Der Konzern hatte im Juli vergangenen Jahres Insolvenz angemeldet, nachdem der Haupteigentümer Dawney Day in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Zusammen mit dem britischen Finanzhaus Hilco hatte Dawney die Kaufhäuser und Grundstücke 2005 für 500 Millionen Euro vom Karstadt-Quelle-Konzern (heute Arcandor) übernommen und in Hertie umbenannt.

Wenn bis Ende Februar keine Lösung mit einem Investor gefunden werde, sei das gesamte Unternehmen bedroht, hieß es. Dies könne das Aus auch für die noch verbleibenden 54 Filialen bedeuten. Verhandelt werde derzeit vor allem über die Warenhaus-Immobilien, die Eigentümer Dawnay Day von dem operativen Warenhausgeschäft abgetrennt hatte.

Im vergangenen Jahr habe Hertie einen Verlust von rund 50 Millionen Euro gemacht, hieß es. Vor dem Hintergrund der Finanzkrise sei der Konsum in den vergangenen Monaten eingebrochen. Auch im Jahr 2007 hatte die Kette bei einem Umsatz von rund 450 Millionen Euro bereits rote Zahlen geschrieben.