Uups. Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung bescheinigt uns, das Schlusslicht im Migrantenranking zu sein . Versetzung gefährdet im Fach Integration! Dagegen haben es unsere ehemaligen Gastarbeiter-Kollegen, die Italiener, Portugiesen und Griechen zum Klassenprimus gebracht; und selbst die Aussiedler, die nach uns gekommen sind, zeigen uns, was eine Harke, äh, ich meine, ein Sauerbraten ist.

Wie konnte das passieren? Wir geben uns doch so viel Mühe! Wir fahren im Straßenverkehr auf der rechten Seite, schicken unsere Kinder zur Schule, richten unsere Wohnungen mit Eiche-Schrankwänden und Spitzendeckchen ein und haben uns sogar abgewöhnt, im Badezimmer Lämmer zu schächten. Das Putzen hinterher war auch wirklich nicht schön.

Und jetzt das.

Schauen wir uns doch mal die Kriterien an, die beim "Index zur Messung von Integration" berücksichtigt wurden. Da geht es um den Bildungsstand, die Chancen auf dem Arbeitsmarkt und die Frage, wie sehr sich Einwanderer und Eingeborene, beispielsweise durch Heirat annähern.

Lassen wir mal Bildungsstand und Arbeitsmarkt beiseite und reden Klartext.

Die Sache mit dem "sich annähern", da bekennen wir uns schuldig. Wir haben es versucht, wirklich. Wir haben alle kulturell erlernten Regeln zum Verhältnis von Männern und Frauen über Bord geworfen. Wir haben unsere Brüder und Väter angelogen.

Wir sind mit deutschen Männern ausgegangen, haben uns angehört, dass sie nach ihrer letzten Beziehung, die erst fünf Jahre her ist, sich noch nicht wieder auf etwas Neues einlassen können. Wir sind vor Scham im Boden versunken, als der Kellner alles auseinander rechnen musste, weil er getrennte Rechnungen forderte. Und wir haben es offensichtlich nicht in ausreichender Zahl geschafft, diese Männer zum Standesamt zu schleppen, damit die Heirat in die Integrationsstatistik eingeht.

Wirklich Mädels, Schande über uns!

Aber wir geloben Besserung. Ein Blauer Brief ist ein Warnschuss, aber noch nicht das Ende. Wir geben nicht auf. Wir wollen nicht sitzen bleiben im Fach Integration.