Der 24-Jährige sitzt in seinem Appartement im Studentenwohnheim. Am Kühlschrank hängt eine Bild von Che Guevara, darunter die israelische Fahne. Idan wählt seine Worte genau. "Wenn Fatah die nächsten Wahlen in Gaza gewinnt, wenn Obama und Hillary Clinton Druck machen und wenn wir es schaffen, schmerzhafte Zugeständnisse innenpolitisch durchzusetzen, dann gibt es eine Chance auf Ruhe und damit auf Frieden." Es sind viele "Wenns" dafür, dass er optimistisch sein möchte.

Man muss nachhaken, wenn man es genauer wissen will. Was für Zugeständnisse meint er? "Ein palästinensischer Staat sollte selbstverständlich aus Gaza und dem Westjordanland bestehen. Das heißt, wir müssen die Besatzung beenden." Das gelte auch für weite Teile des von Israel annektierten Ostjerusalems. Der Tempelberg und die heiligen Stätten in der Altstadt sollten seiner Ansicht nach unter internationale Kontrolle gestellt werden.

Aber was soll mit den Siedlungen im Westjordanland passieren? "Die Siedlungen waren der größte Fehler, den wir je gemacht haben", sagt Idan. Die meisten müssten evakuiert werden. Nur für die größten Siedlungen solle man einen Gebietsaustausch anstreben. Dass er mit solchen Positionen zur Minderheit in Israel gehört, weiß er.

Seit Jahren steckt der Friedensprozess schon in der Sackgasse. Seit den Verträgen von Oslo im Jahr 1995 gab es keinen substanziellen Fortschritt mehr. Viele Israelis meinen, der ganze Prozess sei gescheitert, die einseitige Abgrenzung von den Palästinensern die einzige Lösung. Und tatsächlich sind alle Versuche, die Bemühungen um eine Zweistaaten-Lösung wieder zu beleben, bisher erfolglos geblieben. Statt Frieden gab es Gewalt: Die zweite Intifada, den Libanon-Krieg und nun den israelische Krieg gegen Hamas, der auf deren Raketenhagel folgte.

Denkt Idan, dass der Gaza-Krieg den Frieden erschwert hat? "Wahrscheinlich, aber ich fand die Operation grundsätzlich richtig." Und die vielen toten Zivilisten, die Zerstörungen, der Einsatz völkerrechtswidriger Phosphor-Bomben? "Ich verurteile das alles aufs Schärfste", sagt er. "Wir mussten auf die Raketen reagieren, nur leider haben wir dabei übertrieben."

Auch mit dieser Meinung gehört der Student zur Minderheit im Land. Laut einer Umfrage der Universität Tel Aviv aus der letzten Kriegswoche sind 82 Prozent der israelischen Bevölkerung der Ansicht, dass die Armee in Gaza "nicht zu weit gegangen" sei.