Während Idan bei aller Skepsis optimistisch bleiben will, sind Adi Kaslasy (21) und Deena Goldstein (24) "realistisch", zumindest behaupten sie das. "Frieden? Auch in zehn Jahren wird es hier keinen Frieden geben", sagt die Studentin Adi. Sie kommt aus Sderot, jener Kleinstadt an der Grenze zum Gaza-Streifen, die seit Jahren unter den Raketen der Hamas leidet. Ihre Freundin Deena wohnt mir ihren Eltern in Ma’aale Adumim, der größten israelischen Siedlung im Westjordanland, östlich von Jerusalem. "Für Frieden bräuchten wir einen radikalen Wandel in den Köpfen und das sehe ich einfach nicht", sagt sie.

Die beiden sind der Ansicht, dass nur ein langer Weg zum Frieden führen kann, wenn überhaupt. "Bis dahin wäre es das Beste, wenn wir uns einig würden, dass wir uns nicht einig sind", sagt Adi. Vor allem aber glauben sie, dass die Palästinenser eine Bringschuld hätten. Der Terror müsse endlich aufhören, erst dann könne man über wirkliche Lösungen verhandeln.

Es ist die Meinung zweier junger Frauen, die an den Bruchlinien des Konflikts leben. Dort, wo jeden Tag greifbar ist, wie schwierig eine Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern tatsächlich sein wird.

"Ich kenne einen Sechsjährigen der durch die Hamas-Raketen das Augenlicht verloren hat", sagt Adi, "ich kenne einen Zehnjährigen, der schwer verletzt wurde, und ich kenne Leute, die gestorben sind." Wenn sie bei ihren Eltern in Sderot ist, hat sie nach einem Alarm nur gut zehn Sekunden Zeit, den raketensicheren Raum im Haus aufzusuchen. Deshalb verwundert es nicht, dass sie den Feldzug gegen Hamas hartnäckig als "Operation" bezeichnet und nicht als "Krieg".

Deenas Alltag ist von anderen Sorgen geprägt. Dort, wo sie mit ihren Eltern lebt, fühlt sie sich umgeben von Feinden. "Wenn wir das Westjordanland räumen und nur die großen Siedlungen behalten, dann wohne ich plötzlich direkt an der Front", sagt sie. Ob ihre Eltern dann das Haus verkaufen würden, weiß sie nicht. Auch sie meint, dass es zum Krieg gegen die Hamas keine Alternative gab, auch wenn er den Frieden in noch weitere Ferne gerückt hat. "Wir haben kurzfristig ein Problem gelöst", sagt sie, "aber langfristig werden wir dafür Hass ernten."