In der Abenddämmerung des 13. Dezember 2008 klingelt ein Unbekannter am Haus Ringstraße 43 in Fürstenzell bei Passau. Alois Mannichl, Polizeidirektor des Landkreises, öffnet. Nach einem kurzen Wortwechsel sticht der Mann zu, Mannichl bricht blutend zusammen. Der Angreifer entkommt spurlos. Weil vieles gleich auf einen Täter aus der rechtsextremen Szene deutet, ist die Aufregung bundesweit groß.

Gut sechs Wochen nach der Tat schreiben Medien nun von "Merkwürdigkeiten", ziehen die Glaubwürdigkeit Mannichls in Zweifel und verwerfen die These vom Neonazi-Täter. Doch dafür ist es eindeutig zu früh. Geklärt ist nichts – in keine Richtung. So weist die Deutsche Polizeigewerkschaft darauf hin, dass bei Kapitalverbrechen Ermittlungen von mehreren Monaten nicht ungewöhnlich seien. Der Fahndungsdruck gegen die rechte Szene bleibe hoch.

Der Öffentlichkeit fällt es allerdings zunehmend schwer, sich zwischen Gerüchten und angeblichen Hinweisen zurechtzufinden. Ein Überblick:

Die Täterbeschreibung: Mannichl schilderte den Täter als 1,90 Meter groß, mit Glatze oder sehr kurzen Haaren, Leberfleck oder Tätowierung am Hals. Kritiker wenden ein, ein Polizeichef müsse einen Angreifer genauer beschreiben können. Allerdings ist auch ein Profi mit einem Messer zwischen den Rippen im Halbdunkel gehandicapt. Nach eigener Aussage wartete Mannichl zudem auf Kollegen, die ihn zur Familie eines Polizisten fahren sollten, der gerade einen Herzinfarkt erlitten hatte; er war also wohl aufgewühlt. In einem Interview sagte Mannichl, "wenn ich so etwas erfinden würde, hätte ich es klüger gemacht". Inzwischen spricht er nicht mehr mit der Presse.

Das Tatwerkzeug: Der Angreifer benutzte ein Küchenmesser aus dem Haushalt Mannichls. Erst hieß es, in der Siedlung sei es Brauch, dass Nachbarn sich von einer Art Adventskalender mit dem bereitliegenden Messer Lebkuchen abschneiden können. Dann hieß es, am Vorabend seien Gäste bewirtet worden, dabei sei das Messer auf der Fensterbank liegen geblieben. Nun will ein Passauer Journalist gar von Mannichl erfahren haben, dass das Messer weiter hinten auf dem Grundstück lag. Das spricht nicht für eine geplante Tat. Denkbar wäre, dass ein Angreifer Mannichl einschüchtern wollte und die Gelegenheit ergriff. Am Messer fanden sich offenbar nur Spuren von Mitgliedern der Familie Mannichl. Den wortkarg gewordenen Ermittlern ist nicht zu entlocken, ob sich das mit einem Täter deckt, der Handschuhe trug. So genannte Abriebspuren wurden aber offenbar auch nicht entdeckt.

Die Parole: Auf Niederbayerisch oder Österreichisch habe, so Mannichl, der Angreifer "Grüße vom nationalen Widerstand" bestellt und gesagt, "Du trampelst nimmer auf den Gräbern unserer Kameraden herum". Das entspricht Neonazi-Sprachgebrauch. Die NPD und rechte "Kameradschaften" hatten im Internet Stimmung gegen den Polizeichef gemacht, unter anderem, weil er bei einer Neonazi-Feier auf dem Grab eines Wehrmachtssoldaten gestanden haben soll. Andererseits: Wenn Mannichl einen Täter aus der eigenen Familie decken wollte, könnte ihm sehr wohl eine solche Geschichte aus dem beruflichen Umfeld einfallen.