Seine Genugtuung kann Gerd Lottsiepen kaum verbergen. Mit Freude hat der Sprecher des Verkehrsclub Deutschlands (VCD) die Ankündung des amerikanischen Präsidenten Barack Obama vernommen, strengere Auto-Abgasnormen einzuführen und so die Industrie zur Produktion umweltfreundlicherer Wagen zu bewegen. "Das ist sehr gut und sehr richtig", sagt Lottsiepen. Knapp vier Jahre Streit mit der Autoindustrie und Lobby-Arbeit gegen die Bush-Regierung liegen hinter ihm.

Am Wochenende kündigte die neue US-Regierung an, dass die Umweltbehörde EPA eine unter George W. Bush erlassene Anordnung aufheben werde. In ihr hatte die EPA vor einigen Jahren dem Bundesstaat Kalifornien untersagt, auf eigene Faust strengere Abgaswerte für Autos zu erlassen.

Der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger, bekannt für radikale Umweltauflagen, wollte damals eine entsprechende Regelung einführen. Seine Pläne hätten die Autoindustrie gezwungen, bis 2016 Autos zu bauen, die rund 30 Prozent weniger Schadstoffe ausstoßen. Kalifornien, US-Bundesstaat mit den meisten Menschen und Autos, hat seit Jahrzehnten dramatische Probleme mit der Luftqualität. Das "Air Resources Board", eine  Behörde zum Schutz der Luftqualität, gilt international als Trendsetter bei neuen Umweltstandards.

Doch die EPA lehnte 2007 den Antrag Kaliforniens ab. "Es war skandalös, wie sich die Autoindustrie in den Jahren davor gewehrt hat", sagt Lottsiepen, "allen voran die deutschen Autobauer." Zusammen mit Germanwatch, Greenpeace und anderen Umweltorganisationen hatte der VCD bei den Automobilkonzernen für die kalifornischen Pläne geworben. Vergeblich.

Die amerikanische Vereinigung der Autohersteller, zu der neben General Motors auch BMW, Porsche und Volkswagen gehören, hatte gegen Schwarzeneggers Pläne geklagt. Ihre wichtigsten Argumente: Zukünftig werde es unterschiedliche Abgasstandards in den verschiedenen Bundesstaaten geben. Das führe zu Wettbewerbsverzerrungen und  zwänge sie, Autos mit verschiedenen Abgasstandards zu bauen. Neuwagen würden sich um bis zu 3000 US-Dollar verteuern, Kaliforniens Alleingang würde den Klimawandel kaum verhindern.

Jetzt hat sich Obama über ihre Argumente hinweggesetzt. Mit seinen Plänen unterstreicht er ein weiteres Mal, wie stark er sich in Klima- und Umweltfragen von der Politik seines Vorgängers abgrenzt. Schon während des Wahlkampfes hatte Obama angekündigt, 150 Milliarden Dollar in den Ausbau erneuerbarer Energien investieren zu wollen.