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Barack Obama hat seine Amtszeit seit seiner Vereidigung am Dienstag gleich mit wichtigen Entscheidungen begonnen. Seine Arbeit hatte er allerdings längst zuvor schon aufgenommen, auch im Netz: Die Website change.gov bereitete seit dem 4. November die Amtsübernahme vor und beteiligte dabei auch die Bürger an der Planung der Regierungsgeschäfte. Am Tag der Inauguration sind Konzept und wesentliche Inhalte der Website umgezogen und bilden nun das Grundgerüst der präsidialen Homepage whitehouse.gov .

Das Obama-Team nutzte auf diese Weise die Übergangsphase zwischen Wahltag und Vereidigung, um den großen Erfolg der Internetnutzung während des Wahlkampfs konsequent fortzuführen. Die neue präsidiale Website mit ihren Beteiligungsmöglichkeiten soll nun zumindest ein Teil dieser Dynamik erhalten.

Denn die Begeisterung und der Wille, sich an das Obama Movement anzuhängen, ist nach wie vor ungebrochen. So ist etwa die Zahl der Facebook-Supporter mittlerweile bei erstaunlichen 3,8 Millionen angelangt. Am Tag der Wahl waren es "nur" 2,4 Millionen.

Als Präsident kann Obama zwar nicht auf die im Wahlkampf gesammelten Adressdaten zugreifen. Doch das ist auch gar nicht nötig. Change.gov, die Website zum Wechsel, fungierte erfolgreich als Wegweiser für interessierte Bürger.

Mehr noch als bei der aufwendig inszenierten Rekrutierung der Mitglieder des Teams für das Weiße Haus offenbart sich der künftige Regierungsstil des 44. Präsidenten im Web. Change.gov fungierte dabei einerseits als Schaufenster für die Öffentlichkeit, doch waren darin auch partizipative und organisatorische Elemente enthalten, welche die künftige Arbeitsweise des Präsidenten vorwegnahmen.

Mit MyBarackObama.com , change.gov und nun whitehouse.gov geben drei Online-Plattformen wichtige Impulse für Organisation, Kommunikation, Entwicklung und Unterstützung politischen Handelns. Auffälligste Elemente von change.gov waren die umfangreichen Diskussionsforen, die durch kurze Video-Statements von Mitarbeitern des Übergangsteams eröffnet wurden.

Bereits in der Auftaktrunde zum Thema Gesundheitsreform Ende November erreichten so 3700 Kommentare die Arbeitsgruppe um den neuen Gesundheitsminister Tom Daschle. Um für noch mehr Transparenz bei der Entwicklung der Agenda des Präsidenten zu sorgen, wurde die Mitsprache-Funktion um die Möglichkeit zur Einsichtnahme in den Arbeitsalltag der Obama-Administration ergänzt.

Den letzten Schritt bei der Öffnung in Richtung Bürgerschaft stellte das Citizen´s Briefing Book dar. Hier konnten registrierte Nutzer dem President-elect "Ideen" für sein künftiges Arbeitsprogramm mitteilen, die Vorschläge anderer Nutzer kommentieren und sie bewerten.

So entsteht ein Ranking aus "Bürgerwünschen" an den neuen Präsidenten. Und diese Briefings können es in sich haben: Neben dem Wunsch nach der Legalisierung von Marihuana stehen Aufforderungen zur Neubewertung der Israel-Politik, die Einführung von Hochgeschwindigkeitszügen oder die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Bush-Regierung.

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Die große Popularität der Website und die eifrige Nutzung der Beteiligungsangebote führen aber auch zu kritischen Fragen: Wie soll das enorme Volumen des Bürger-Inputs bewältigt werden? Wer liest, sichtet und sortiert in einer angemessenen Zeit 4000 Kommentare allein zu einem Thema und leitet daraus praktische Handlungsweisungen für die Ministerien ab? Wie lassen sich ähnliche, gleich lautende oder konkurrierende Vorschläge integrieren oder gegeneinander abwägen?

Und nicht nur bei den auf Diskussion ausgerichteten Funktionen drohen Schwierigkeiten. Wie will die Obama-Mannschaft etwa mit den 350.000 Online-Bewerbungen um einen Job im Regierungsumfeld umgehen? Ist hier ein seriöser Auswahl- und Rekrutierungsprozess überhaupt denkbar?

Es gibt also viel zu tun für den neuen Präsidenten, und einen Teil davon hat er sich selbst eingebrockt. Und dennoch: Mit Blick auf die Leistungen der Obama-Kampagne im Wahlkampf sind die meisten Beobachter zuversichtlich, dass change.gov die Initialzündung für einen Einschnitt in der Organisation der Regierungstätigkeit darstellt. Der unverzügliche Umbau von whitehouse.gov gibt ihnen Recht.

Es ist unverkennbar, dass sein Stab großes Augenmerk auf die Einbettung moderner Kommunikationsmedien in die Arbeitsroutinen des Weißen Hauses legen wird. Der frisch eingerichtete Blog auf whitehouse.gov benennt gleich im ersten Eintrag die Eckpfeiler der Online-Strategie: Kommunikation, Transparenz und Partizipation.

Auf change.gov hatten sich bislang Elemente einer transparenten Diskussionskultur, neue Repräsentationsformate und (noch) eher symbolische Beteiligungsmöglichkeiten vermischt.

Auf whitehouse.gov wird der eingeschlagene Weg fortgesetzt, mit möglicherweise stärkeren Akzenten als erwartet. Im Weblog heißt es: "Außer in Notfällen werden sämtliche Gesetzesentwürfe auf der Website für fünf Tage veröffentlicht. Die Öffentlichkeit ist zur Einsichtnahme und Kommentierung aufgerufen, erst danach unterzeichnet der Präsident."

Es ist nicht nur der neue Anstrich, der die neue Website des Präsidenten eindrucksvoll erscheinen lässt. Das social campaigning hat nicht nur den Kandidaten Barack Obama bis in die Pennsylvania Avenue geführt – die Impulse dieser neuen, Bürger-orientierten Netz-Politik sind jetzt auch am digitalen Dienstsitz des neuen Präsidenten spürbar.