Die große Popularität der Website und die eifrige Nutzung der Beteiligungsangebote führen aber auch zu kritischen Fragen: Wie soll das enorme Volumen des Bürger-Inputs bewältigt werden? Wer liest, sichtet und sortiert in einer angemessenen Zeit 4000 Kommentare allein zu einem Thema und leitet daraus praktische Handlungsweisungen für die Ministerien ab? Wie lassen sich ähnliche, gleich lautende oder konkurrierende Vorschläge integrieren oder gegeneinander abwägen?

Und nicht nur bei den auf Diskussion ausgerichteten Funktionen drohen Schwierigkeiten. Wie will die Obama-Mannschaft etwa mit den 350.000 Online-Bewerbungen um einen Job im Regierungsumfeld umgehen? Ist hier ein seriöser Auswahl- und Rekrutierungsprozess überhaupt denkbar?

Es gibt also viel zu tun für den neuen Präsidenten, und einen Teil davon hat er sich selbst eingebrockt. Und dennoch: Mit Blick auf die Leistungen der Obama-Kampagne im Wahlkampf sind die meisten Beobachter zuversichtlich, dass change.gov die Initialzündung für einen Einschnitt in der Organisation der Regierungstätigkeit darstellt. Der unverzügliche Umbau von whitehouse.gov gibt ihnen Recht.

Es ist unverkennbar, dass sein Stab großes Augenmerk auf die Einbettung moderner Kommunikationsmedien in die Arbeitsroutinen des Weißen Hauses legen wird. Der frisch eingerichtete Blog auf whitehouse.gov benennt gleich im ersten Eintrag die Eckpfeiler der Online-Strategie: Kommunikation, Transparenz und Partizipation.

Auf change.gov hatten sich bislang Elemente einer transparenten Diskussionskultur, neue Repräsentationsformate und (noch) eher symbolische Beteiligungsmöglichkeiten vermischt.

Auf whitehouse.gov wird der eingeschlagene Weg fortgesetzt, mit möglicherweise stärkeren Akzenten als erwartet. Im Weblog heißt es: "Außer in Notfällen werden sämtliche Gesetzesentwürfe auf der Website für fünf Tage veröffentlicht. Die Öffentlichkeit ist zur Einsichtnahme und Kommentierung aufgerufen, erst danach unterzeichnet der Präsident."

Es ist nicht nur der neue Anstrich, der die neue Website des Präsidenten eindrucksvoll erscheinen lässt. Das social campaigning hat nicht nur den Kandidaten Barack Obama bis in die Pennsylvania Avenue geführt – die Impulse dieser neuen, Bürger-orientierten Netz-Politik sind jetzt auch am digitalen Dienstsitz des neuen Präsidenten spürbar.