Mit seinem Erlass räumt Obama konsequent mit weltweit kritisierten Methoden im Anti-Terror-Kampf auf. Nur zwei Tage nach seinem Amtsantritt löste er zudem eines seiner Hauptwahlversprechen ein. Das Verbot umstrittener Verhörmethoden umfasst auch das sogenannte Waterboarding, dem Simulieren von Ertränken. Daran soll sich künftig auch der Geheimdienst CIA konsequent halten müssen. In einem weiteren Schritt wies Obama zudem die Armee an, den Abzug aus dem Irak voranzutreiben. Auch mit geheimen CIA-Gefängnissen soll Schluss sein. Insgesamt will Obama Berichten zufolge alle Praktiken im Umgang mit Terrorverdächtigen und jeden Einzelfall prüfen lassen.

Obama sagte bei der Unterzeichnung des Papiers, damit sollten die Grundwerte im Bereich der Menschenrechte gestärkt werden. Es gehe darum, "Kernstandards" zu entsprechen, "nicht nur wenn es leicht ist, sondern auch, wenn es schwierig ist". Sein Dekret sieht vor, Guantanamo so schnell wie möglich, jedoch spätestens in einem Jahr zu schließen. Vor welchen Gerichten geplante Terroristen-Prozesse stattfinden und wohin Gefangene entlassen werden sollen, soll nun eine dafür gebildete Arbeitsgruppe klären.

UN- Menschenrechtskommissarin Navi Pillay begrüßte Obamas Schritt. Nun müssten diejenigen zur Rechenschaft gezogen werden, die für Folter und ungesetzliche Verhörmethoden verantwortlich sind. Sie gehe davon aus, dass Verfahren gegen die Häftlinge vor ordentlichen Gerichten und nicht vor Militär-Sondertribunalen stattfinden würden. Pillay appellierte an Obama, sich auch die Lage in vergleichbaren Gefangenenlagern in Afghanistan und im Irak anzuschauen.

Der UN-Berichterstatter für Folter, Manfred Nowak, mahnte im Bayerischen Rundfunk "alle Länder der Welt", ehemalige Guantánamo-Häftlinge aufzunehmen. Die Hilfsorganisation Amnesty International rief insbesondere die Europäische Union (EU) auf, diesen Menschen eine Bleibe zu bieten und bereits beim nächsten Außenministertreffen am kommenden Montag einen entsprechenden Beschluss zu fassen. Die US-Regierung sucht schon seit geraumer Zeit Aufnahmeländer für rund 50 Gefangene, die freigelassen werden sollen, denen aber in ihrer Heimat Folter drohen würde. Ob auch Deutschland bereits eine Anfrage vorliegt, ist unklar. Dort hatte die Frage nach Aufnahme ehemaliger Gefangener eine politische Diskussion innerhalb der Großen Koalition ausgelöst.