Dass die glanzvollen Zeiten der Haute Couture passé sind, ist ein alter Hut. Selbst die Verantwortlichen der Pariser Schauen geben zu, dass das Konzept der Luxusmode, wirtschaftlich betrachtet, hinfällig geworden ist. Totzukriegen ist die chronisch kränkelnde Haute Couture jedoch nicht. Seit der Einführung der Prêt-à-porter-Mode in den sechziger Jahren verkündet man regelmäßig ihr Ende, zum Erstaunen der Skeptiker gibt es aber immer noch Familienzuwachs. Der Neuling, der am Montag debütierte, heißt Stéphane Rolland.

Genau genommen ist er ein alter Hase in der Welt der Luxusmode. Bereits im Alter von 30 Jahren wurde Rolland Chefdesigner beim Haute-Couture-Label Jean-Louis Scherrer und damit zum jüngsten Couturier Frankreichs. Nach zehn Jahren verließ er das Haus, um 2007 sein eigenes Label zu gründen. Das Personal ist ihm gefolgt, das Couture-Handwerk ihm nach einem Jahrzehnt ins Blut übergegangen. Auch wenn seine Aufnahme in den kleinen Kreis der großen Schneider also konsequent scheint, ist sie keineswegs selbstverständlich.

Das Label ‚Haute Couture’ ist juristisch geschützt. Die Auswahl der neu aufgenommen Mitglieder folgt den strengen Regeln, die im Jahr 1945 von der Chambre syndicale de la haute couture , dem Arbeitnehmerverband der Schneiderkunst, festgelegt wurden. Zugunsten des Nachwuchses wurden die Auflagen inzwischen etwas gelockert, somit müssen Titelanwärter pro Saison nicht mehr 50, sondern nur noch ein Minimum von 25 Kreationen produzieren. Auf Maß geschneidert und handgefertigt müssen die Modelle natürlich nach wie vor sein, und ein wahrer Couturier hat außerdem ein Atelier mit mindestens 20 Näherinnen zu unterhalten, dessen Hauptsitz – so viel Patriotismus muss sein – in Paris liegt. Nach diesen Kriterien erstellt eine der Wirtschaftskammer unterstellte Kommission jährlich eine Liste der zugelassenen Designer. Vorgeschlagen und gewählt werden können Bewerber allerdings nur von jemandem, der bereits Mitglied der exklusiven Gilde ist und für den Neuzugang bürgt. "Es geht zu wie in einem sehr teuren Privatclub", sagt Didier Grumbach, Präsident des französischen Schneiderverbands.

Derzeit tragen nur elf Häuser die Auszeichnung ‚Haute Couture’. Doch Mitglied dieses geschlossenen Clubs zu sein, ist nicht nur ein Privileg. Nicht ohne Grund ist die Zahl der Couturiers in den letzten zehn Jahren um die Hälfte geschrumpft. Viele Häuser nehmen an den Schauen nicht mehr teil: zu kostspielig, zu unrentabel. Die Anfertigung der Kollektion, die Show, die Supermodels können mehrere Millionen kosten. Jean-Jacques Picart von LVMH, dem Luxuskonzern Moët Hennessy Louis Vuitton, zu dem Marken wie Givenchy und Kenzo gehören, verglich in einem Interview die Haute Couture mit Versailles: "Wir freuen uns, dass das Schloss noch Besucher hat." Aber Frankreichs Kulturstätte Nummer eins sei nun mal "in wirtschaftlicher Hinsicht obsolet geworden".

Erstaunlich also, dass immer noch junge Modeschöpfer wie Stéphane Rolland nachkommen, die sich aller wirtschaftlicher Vernunft zum Trotz der Haute Couture verpflichten. Im vergangenen Januar ließen sich sogar zwei Designer den kostenintensiven Titel verleihen: Anne Valérie Hash und Maurizio Galante. Letzterer bleibt in diesem Jahr den Laufstegen bereits fern.