Ungepanzerte Jeeps, zu schwere Panzer und viel zu wenig Hubschrauber – für den Einsatz in Afghanistan ist die Bundeswehr mangelhaft ausgerüstet. Und nicht nur den deutschen Soldaten fehlt Kriegsgerät. Auf die meisten NATO-Staaten kommen hohe Rüstungsausgaben zu. Die Mission am Hindukusch könnte in diesem Jahr für die internationale Schutztruppe ISAF noch schwerer werden, warnen Militär- und Sicherheitsexperten vom unabhängigen "International Institute for Strategic Studies" (IISS). Der britische Think Tank veröffentlichte am Dienstag seinen jährlichen Bericht in London.

Die globale Wirtschaftskrise und Spannungen innerhalb der NATO könnten den Erfolg des Afghanistan-Einsatzes gefährden. Die USA und ihre Verbündeten müssten künftig auch bei den Militärausgaben sparen, heißt es im IISS-Berichtband "The Military Balance 2009". In dem Buch listen die Forscher detailliert die Stärken der Streitkräfte eines jeden Landes auf. So vergleichen sie das weltweite militärische Gleichgewicht.

Während Afghanistan und der Irak die neue US-Regierung unter Barack Obama auch weiter beschäftigen werden, müsse die Regierung militärische Prioritäten setzen und sich entscheiden, ob der "lange Krieg gegen den Terror" dabei im Zentrum stehen soll. Erste Entscheidungen der neuen amerikanischen Exekutive deuten bereits an, dass der Kampf gegen den Terror neu definiert wird. Das Gefangenenlager Guantanamo soll geschlossen, die US-Kampftruppen langfristig aus dem Irak abgezogen werden.

"Die globale Finanzkrise bedeutet, dass Mittel für Konfliktprävention und Wiederaufbau nicht im Überfluss vorhanden sind", heißt es in dem IISS-Bericht. Deshalb müsse "kreative Diplomatie" eine größerer Rolle spielen. "In Staaten, die bedeutende Summen in Auslandseinsätze gesteckt haben, wird das Militärbudget künftig unter Druck geraten, da mehr auf innerstaatliche Angelegenheiten Wert gelegt wird", schrieb Herausgeber James Hackett.

Neben finanziellen Problemen bereiteten "Spannungen über die Lastenverteilung" zwischen den NATO-Partnern weiter Probleme. Die Verbündeten müssten sich auf eine gemeinsame Strategie einigen, andernfalls sei die "Zukunftsfähigkeit der NATO-Mission" gefährdet, hieß es. "Ohne positive Entwicklungen und einen einheitlicheren Ansatz scheint es wahrscheinlich, dass manche Länder der Schutztruppe ISAF ihr Engagement neu überprüfen könnten."