Das Einkaufszentrum Plaza Norte 2 in der Nähe von Madrid ist bis unters Dach voll mit Menschen, angelockt durch die rebajas, den spanischen Winterschlussverkauf. Die Einzelhändler sind angeschlagen: Sie spüren die Wirtschaftskrise und die rapide steigende Arbeitslosigkeit. Jetzt haben sie den Preis ihrer Waren um bis zu 70 Prozent  reduziert, um nicht auf ihr sitzen zu bleiben. Selbst Modediscounter H&M bietet manche seiner ohnehin billigen Hosen, Pullis und Jacken mit Abschlägen von rund 50 Prozent an.

Dem Zara- und Massimo-Duti-Laden in Plaza Norte geht es besser als den Konkurrenten. Wie sechs weitere Geschäftslinien gehören sie zum Inditex-Konzern, der sich in der Krise gut behauptet. Zara braucht keine Dumpingpreise, um die Lager zu räumen: Hier wird sowieso alle drei Wochen das Sortiment fast komplett ausgetauscht. Selbst besonders erfolgreiche Artikel verschwinden spätestens nach zwei Monaten aus den Regalen. Der schnelle Wechsel ist Inditex’ Erfolgsgeheimnis. "Unsere Kunden wissen: Wenn sie sich nicht beeilen, zu kaufen, sind viele Artikel, die sie gerne hätten, nicht mehr im Sortiment. Da schauen viele nicht mehr so stark auf den Preis", sagt Pablo Isla, der Chef des Konzerns.

Bevor Isla zu Inditex kam, war er Chef eines Tabakkonzerns. Die Mode, die er jetzt verkauft, interessiert ihn nur indirekt. Darin ähnelt er Amancio Ortega, dem Zara-Gründer und Vorsitzenden des Inditex-Aufsichtsrats, der sich vorzugsweise in Jeans und Streifenhemd kleidet.

Zwar beschäftigt Inditex 300 Designer, von denen 200 für Zara arbeiten. Doch sie kopieren Trends, statt selbst welche zu entwerfen. Auch was Werbung betrifft, ist Inditex wenig kreativ. "Dafür geben wir keinen Pfennig aus", sagt Isla. Im Gegensatz zur Konkurrenz, etwa H&M, lockt Inditex seine Kunden nicht mit bekannten Models, sondern mit seinen Geschäften, die überall in guten Einkaufslagen zu finden sind.

Isla und Ortega geht es vor allem darum, so viel Abwechslung wie möglich in die Geschäfte zu bringen. Logistik heißt ihr Zauberwort. Alle drei Tage werden die Inditex-Geschäfte mit neuer Ware beliefert. Die Hersteller der Kleidung produzieren nur auf Bestellung. Jeder Laden entscheidet täglich, was er braucht, gibt elektronisch durch, welche Teile sich besonders gut verkaufen oder welche Farben gut ankommen.

Artikel, die nicht laufen, verschwinden in Windeseile aus den Regalen. Entwicklung, Produktion und Auslieferung eines neuen Kleidungsstücks dauern nur rund 15 Tage. "So schnell ist niemand in der Branche", sagt Daniel Corsten, Logistikexperte an der Madrider Business Schule Instituto de Empresa.