Aus der Sicht des ehemaligen US-Botschafters in Afghanistan, William Wood, ist das Drogenproblem in der zentralasiatischen Republik nicht sehr kompliziert. Drogenhandel sei illegal, also sperrt man Drogenhändler ein – ohne Rücksicht auf ihre soziale Lage: "Wir haben eine Menge arme Leute in den USA, die im Drogenhandel involviert sind. Und wir stecken sie ins Gefängnis."

Bekäme Wood seinen Willen, hätten afghanische Gefängniswärter einen äußerst krisensicheren Job: Jeder zehnte Afghane baut nach UN-Berichten Schlafmohn an, aus dem Opium und Heroin hergestellt wird. Das sind fast 2,5 Millionen Menschen. Dazu kommen noch diejenigen, die Drogen schmuggeln, veredeln und weiterverkaufen. Niemand wagt, ihre Zahl zu schätzen. Den Wert ihrer Früchte aber schon: Die 7,7 Tonnen Rohopium, die 2008 in Afghanistan geerntet wurden, haben einen Marktwert von 3,5 Milliarden Dollar.

Ein so großes Problem lässt sich nicht wegsperren. Der Umsatz aus Opiumanbau und -handel ist halb so groß wie das offizielle Wirtschaftsaufkommen Afghanistans, schätzt Vanda Felbab-Brown, Professorin für Sicherheitsstudien an der Georgetown University. Zum Vergleich: Das ist so, als wenn Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg in die eigene Tasche wirtschaften würden. Dennoch vernachlässigten die westlichen Strategen nach der Intervention 2001 das Drogenproblem. Man kämpfe schließlich gegen Terroristen, nicht gegen Drogen, hieß es.

Erst seit der gewaltsame Widerstand gegen den neuen afghanischen Staat und seine ausländischen Beschützer zunimmt, rückt der Drogenhandel weiter in den Mittelpunkt. Nach Nato-Schätzungen finanzieren sich die Taliban zu 50 Prozent aus dem Drogengeschäft. Die Anbauflächen konzentrieren sich auf den Süden, wo die Taliban weite Strecken des Landes kontrollieren. "Wenn ich ein Mohnfeld sehe, sehe ich Bomben und Kalaschnikows", sagte General Dan McNeil, Kommandeur des amerikanischen Nato-Kontingents.

Ein Kilo Heroin hat den Gegenwert von 30 Maschinengewehren. Täglich starten aus Girdi Jungal und Baramcha schwer bewachte Konvois mit mehreren Hundert Kilo Heroin an Bord Richtung Iran. An der Grenze zu Pakistan wurden Labore zur Veredelung des Rohopiums von Fabrik-artigen Ausmaßen errichtet, in denen mehrere Hundert Menschen arbeiten sollen. Ein US-Militär brachte die Verbindung zwischen Taliban-Renaissance und Drogenschmuggel lakonisch auf den Punkt: "Drogen raus, Waffen rein."

Selbst der Bruder von Präsident Hamid Karzai beteiligt sich nach Ansicht des Weißen Hauses an Drogengeschäften. Entsprechend negativ urteilt US-Verteidigungsminister Robert Gates über die Fähigkeiten der afghanischen Partner. Könne man den afghanischen Behörden im Kampf gegen den Drogenhandel vertrauen, wurde er Ende Januar im Senat gefragt. Seine Antwort: "Eher nicht."