Es sind Tage der Entscheidung in Berlin. Hektisch feilen die Experten von Regierung und Bundesbank an Rettungskonzepten für die Banken, Pläne werden verworfen und aus der Taufe gehoben. Zwar weiß noch niemand, wie weit die Regierung am Ende gehen wird. Sicher aber ist schon jetzt: Wie immer ein weiteres Rettungspaket ausfällt, es wird die hiesige Bankenlandschaft erheblich durcheinander wirbeln – und womöglich den Steuerzahler Milliarden kosten.

An diesem Mittwoch treffen sich die wichtigsten Minister der Regierung, um über eine gemeinsame Linie zu beraten. Verhandelt wird die Rettung des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate, der kurz vor dem Zusammenbruch steht. Deshalb sitzt Justizministerin Brigitte Zypries mit am Tisch, die den Weg zu einer Verstaatlichung der Bank ebnen soll. Zugleich aber geht es um mehr, nämlich um die Frage, wie weitere Institute vor dem Kollaps bewahrt werden können.

Unbestritten ist, dass der Staat nachlegen muss. Geld und Staatsgarantien, die der staatliche Rettungsfonds Soffin verteilt, haben bislang nicht ausgereicht, um das Vertrauen wieder her zustellen. Zudem schlummern noch immer erhebliche Risiken in den Büchern der Banken. Eine Studie des Finanzhauses JP Morgan ergab zuletzt, dass bei vier großen deutschen Banken Abschreibungen in Höhe von 93 Milliarden fällig werden könnten. Allein der Commerzbank und der Dresdner Bank drohen zusammen Abschreibungen in Höhe von 20 Milliarden.

Ziemlich sicher ist mittlerweile, dass die Ackermann-Lösung einer zentralen Bad Bank vom Tisch ist. Einer solchen, vom Staat betriebenen Giftmülldeponie, wie sie die Amerikaner gerade erwägen, haben Finanzminister Peer Steinbrück und Kanzlerin Angela Merkel bereits eine Absage erteilt. Zugleich aber brachte Steinbrück eine neue Idee ins Spiel, die das Zeug hat, mehrheitsfähig zu werden: eine Art Mini-Bad-Bank.

Das Prinzip: Jede Bank gründet eine Zweckgesellschaft, in der sie ihre giftigen Papiere auslagert. Der Staat könnte diese dann mit Garantien besichern. Anders als bei einer staatlichen Bad Bank blieben die Institute aber im Besitz der Giftpapiere – sie wären sie nicht endgültig los.

Dennoch wäre das für die Banken von Vorteil. Die Institute könnten den Wert der Anlagen einmal bewerten und dann in der Bad Bank deponieren. Dort könnten sie wie in einem Tresor zu dem einmal festgelegten Preis für eine längere Zeit liegen bleiben, egal ob der Marktpreis weiter in den Keller geht. Das erspart den Banken weitere Abschreibungen, die die Bilanzen in der aktuellen Krise immer weiter verschlechtern – und das Vertrauen zwischen den Instituten zerstören.

Dahinter steckt die Hoffnung, dass viele Papiere wieder an Wert gewinnen werden. Die Preise für italienische Staatsanleihen sind zuletzt etwa in Folge der Krise gesunken. Beruhigt sich der Markt wieder, könnte ihr Wert wieder steigen – und zurück in die Bilanzen der Good Bank wandern, die sie wieder am Markt verkaufen kann.