In der Bildungsforschung Deutschlands wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Bundesbildungsministerin Annette Schavan gab am  Dienstag in Bamberg den Startschuss für das bislang größte Bildungsforschungsprojekt in Deutschland. Vom Nationalen Bildungspanel (NEPS) erwarten Forscher und Politiker erstmals verlässliche Daten darüber, wie sich Kompetenzen bis ins hohe Erwachsenenalter entwickeln. In dem Exzellenznetzwerk an der Universität Bamberg sollen alle vorhandenen Erfahrungen in der empirischen Bildungsforschung miteinander verknüpft werden.

Die internationale PISA-Studie oder die Grundschulleseuntersuchung IGLU bieten allenfalls Momentaufnahmen der Bildungskompetenz von Schülern. Über Ursachen sagen sie nichts aus. Mit der neuen Längsschnittstudie NEPS wollen die Wissenschaftler Bildungskarrieren über die gesamte Lebensspanne, die Auswirkungen von Bildungsentscheidungen und den Einfluss verschiedener Lernumwelten erkunden. Zudem soll das Bildungspanel Besonderheiten im Bildungsverhalten von Menschen mit Migrationshintergrund und den Nutzen von Bildungsmaßnahmen darlegen.

"In der modernen Wissensgesellschaft sind Bildung und Ausbildung zentrale Voraussetzungen sowohl für das wirtschaftliche Wachstum und Wohlstand als auch für ein erfolgreiches privates Leben", betont der Leiter des Nationalen Bildungspanels, Prof. Hans-Peter Blossfeld. Von den umfangreichen Analysen und Daten erwartet Schavan Grundlagen für strategische und zielgerichtete Entscheidungen in der Bildungs- und Wissenschaftspolitik.

Dem interdisziplinären Netzwerk gehören neben zahlreichen Instituten aus dem Bildungsbereich unter anderem auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg, das Münchner ifo-Institut, das Wissenschaftszentrum für Sozialforschung (WZB) in Berlin und das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim an. Eingebunden in die Arbeit des neu gründeten Instituts für bildungswissenschaftliche Längsschnittforschung (INBIL) an der Universität Bamberg sind auch namhafte Wissenschaftler der Universitäten Berlin, Dresden, Gießen, Göttingen, Hamburg, Hannover, Kiel, Leipzig, München, Siegen und Tübingen.

Beteiligt sind auch Disziplinen wie Armutsforschung, Kinder- und Jugendforschung, Familien- und Geschlechterforschung, Migrationsforschung und Demografie. Bis zum Jahr 2013 sollen repräsentative Ausgangsstichproben aus den Bereichen Neugeborene, Kindergartenkinder, Fünftklässler, Neuntklässler, Studienanfänger und berufstätige Erwachsene vorliegen. Die Forscher erwarten unter anderem detaillierte Informationen über die Übergänge in Ausbildung und Beruf, Studienverläufe und den anschließenden Übergang in die Arbeitswelt sowie Weiterbildungsverläufe und Arbeitsmarktkarrieren von Erwachsenen.

Untersucht werden auch die sogenannten Bildungsrenditen im Bildungsverlauf. Die Forscher wollen daraus Konzepte für qualifikationsspezifische Löhne und Arbeitsmarktchancen ableiten. Im weiteren Sinne zählen zu diesem Bereich auch politisches und soziales Engagement, physische und psychische Gesundheit, Chancen bei der Partnersuche und der Familiengründung sowie das subjektive Wohlbefinden.