Ministerpräsident Wen Jiabao sagte in einem Interview der Financial Times , das am Montag veröffentlicht wurde: "Wir könnten weitere neue, rechtzeitige und maßgebliche Maßnahmen ergreifen." All diese Schritte müssten "präventiv vor einem wirtschaftlichen Einbruch" erfolgen.

Schon im November hatte Chinas Regierung ein Konjunkturprogramm mit einem Umfang von umgerechnet mehr als 400 Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Wen Jiabao sagte, besondere Umstände erforderten besondere Maßnahmen: "Erfolg oder Scheitern hängen von der Geschwindigkeit und der Intensität der Maßnahmen ab."

Die globale Wirtschaftskrise trifft China härter als erwartet. Das Wachstum fiel auf den niedrigsten Stand seit sieben Jahren. Im Gesamtjahr 2008 wurden zwar noch neun Prozent erreicht, doch bremste sich das Wachstum im letzten Quartal auf 6,8 Prozent ab.

Was sich verheerend auf den Arbeitsmarkt auswirkt: Im Zuge des Abschwungs hätten gut 15 Prozent der insgesamt rund 130 Millionen Wanderarbeiter aus ländlichen Regionen ihre Arbeit verloren oder keine Beschäftigung gefunden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua . Sie beruft sich auf eine Untersuchung des Landwirtschaftsministeriums in 150 Dörfern.

Die Regierung in Peking verfolgt die Situation der Wanderarbeiter auch deswegen sehr aufmerksam, weil sie soziale Unruhen befürchtet. So appellierte Peking Medienberichten zufolge an die Firmen, die Wanderarbeiter beschäftigen, soziale Verantwortung zu übernehmen. Wanderarbeiter sollten unter zumutbaren Bedingungen arbeiten und bessere Ausbildung für ihre Tätigkeiten erhalten, heißt es.

In diesem Jahr hofft Peking dennoch auf ein Wachstum von "rund acht Prozent". Um diese offiziell ausgegebene Zielmarke erreichen zu können, kündigte Regierungschef Wen nun ein zweites milliardenstarkes Konjunkturprogramm an. Neben dem Ausbau der Infrastruktur, besonders im ländlichen Raum, will China demnach die heimische Nachfrage fördern. "Die Ausgaben der Verbraucher sind entscheidend für die Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung." Eine Abwertung der Währung, die Chinas Exporte billiger machen würde, schloss Wen aus.

Die deutlich schwächere Konjunktur in der drittgrößten Volkswirtschaft der Erde dämpft die Hoffnungen, dass zumindest China angesichts der Krise in den USA, Europa und Japan der Weltwirtschaft noch auf die Sprünge helfen kann. Der fallende Bedarf der chinesischen Wirtschaft für Teile und Materialien trifft auch die Exportindustrien in anderen asiatischen Volkswirtschaften wie Taiwan, Südkorea und Japan.