Davos hat ein anderes Gesicht. Die Sonne scheint wieder, draußen wohlgemerkt. Drinnen, im Forum, hat sich der künstliche Optimismus der Eröffnung verflüchtigt. Noch wird viel geredet über die Einlassungen von Wen Jiabao und Wladimir Putin.

Doch der Westen hat sein Comeback, und zwar in Gestalt zweier früherer Politiker, die jetzt mit ihren Stiftungen die Welt verbessern wollen. Es handelt sich um Tony Blair und Bill Clinton.

Blair hielt ein Plädoyer für den "Stakeholder Kapitalismus", in dem möglichst viele Interessengruppen und Länder ihren Nutzen sehen. Man mag das als Lüge von Davos abtun, doch es ist notwendig, das eigentlich Notwendige ab und zu zu sagen.

Die falsche Reaktion auf die Krise sei es, jetzt das große Heil im Staat zu sehen, warnte Blair. Oder gar in der nationalen Abschottung durch den starken Staat. Die globale Krise könne nur global in internationaler Offenheit gelöst werden, ging es weiter.

Mutige Regierungen, so Blair, müssten jetzt nicht bloß Banken retten, sondern in umweltfreundliche Energie investieren, eine neue Welthandelsrunde abschließen und auch an der Hilfe für die Ärmsten der Welt festhalten.

So ist es ganz einfach. Punktum.

Bill Clinton machte klar, dass weder die USA noch China die Weltwirtschaft allein wieder flott bekommen könnten. Zwar sei die Krise aus Amerika gekommen, aber jetzt hätten auch die Chinesen riesige Probleme. Sie müssten zusammenarbeiten, um aus dieser Krise herauszukommen.

Das heiße auch, die Banken wieder flott zu machen, indem man ihnen notleidendem Papiere abnimmt und später wieder am Markt verkauft. Deshalb sei es im chinesischen Interesse, weiter die USA mit Krediten zu finanzieren.

Auch wenn die globalen Ungleichgewichte auf die Weise nicht abgeschafft würden -jetzt müsste erst einmal der kürzeste Weg zur Erholung eingeschlagen werden, und das ginge eben nur in Kooperation von Amerika auf der einen und reservereichen Exportländern, die nun auch getroffen würden, auf der anderen Seite.

So ist es ganz einfach. Es wäre nur noch schöner, man würde das mit der gleichen Klarheit und dem gleichen Optimismus von aktiven Politikern in Davos hören, samt der unverhohlenen Sorge, dass die Welt natürlich auch einen anderen Pfad einschlagen könnte.

Uwe Jean Heuser, Wirtschaftsressortleiter der ZEIT, und Josef Joffe, Herausgeber, berichten täglich vom Weltwirtschaftsforum in Davos