Am Morgen war ich zu Gast beim täglichen Reuters-Fernsehen vom World Economic Forum. Da steht man in einer Dreierrunde bei Minusgraden auf einem sonnigen Balkon und diskutiert die Themen des Tages oder der Woche. Mit dabei war der Financial-Times-Kolumnist John Gapper.

Seine fröhlich vorgetragene These: Die Krise bedeute den Tod für "Davos Man", jenes imaginäre Sammelwesen, das den Kern des Forum darstellen soll. Es liebt die Globalisierung, weil es von ihr mehr profitiert als alle anderen Menschen. Es ist auf hohen Profit aus und ist doch gerne philanthropisch.

Was der Kollege meint? Tatsächlich fehlt hier in Davos in diesem Jahr ein Typus, der noch im vergangenen Jahr die Szenerie beherrschte: der Investmentbanker. Nur wenige würden sich bei Tageslicht noch an die Davoser Öffentlichkeit trauen, scherzte der frühere britische Premier Tony Blair und erntete viel zustimmendes Lachen. Wenn aber die Stars von früher fehlen (und viele von ihnen auch nicht wiederkommen werden), dann ist das Davoser Modell bedroht, oder?

Die These ist ebenso attraktiv wie falsch. Das Forum ist genauso, wie seine globale Mitgliederklasse sein will: flexibel und jeder Zeit bereit, sich neu zu erfinden. Es hat die Anführer des Internet-Booms im Jahr 2000 bejubelt – und ihren unrühmlichen Abgang gut überstanden.

Stars kommen und gehen, aber das Interesse bleibt. So viele Teilnehmer wie in diesem Jahr hat Davos noch nie gezählt, der Schweizer Ort platzt aus alle Nähten, für jeden untergegangenen Investmentbanker kommt am Ende ein anderer Unternehmenslenker, der gerne der Davos-Klasse angehören möchte.

Ich habe also widersprochen, und ich bleibe bei meinem Widerspruch. Davos ist attraktiv für die Manager, weil es mehr ist als nur eine Bestätigung ihres globalen Profitstrebens. Es spricht auch die dunkle Seite dieses Tuns an. Das tut gut, denn schließlich wissen auch die härtesten Chefs, dass Bill Clintons hier geäußerter Satz stimmt, die Weltwirtschaft sei instabil, ungleich und nicht nachhaltig.

Warum, so fragte etwa die Spitzenmanagerin Maria Ramos am Donnerstag, warum schreiben fast alle Konzerne ethische Prinzipien und Wertekanons auf – wenn es dann immer wieder zu kapitalistischen Katastrophen kommt?

Die Antwort schlug die kluge Managerin gleich selbst vor: Die Manager sind nicht konsequent genug darin, diese Prinzipien durchzusetzen, vor allem dann nicht, wenn sie den kurzfristigen Profit verringern. Doch, und das zeigt Davos in der Krise besonders deutlich, ganz wohl ist vielen von ihnen nicht dabei.